Rasiermehl

Kaum ein Produkt menschlicher körperlich-physiologischer Produktivität wird so wenig beachtet wie das Rasiermehl. Trotz seiner weltweiten Allgegenwärtigkeit nimmt es doch im sozio-ökologischen und kulturellen Bewußtsein der Menschheit einen nur geringen Raum ein, obwohl fast ein jeder von uns täglich mit seiner Anwesenheit konfrontiert wird, und sei es als frühmorgendliche Hinterlassenschaft auf dem Waschbeckenrand. Die unendlichen Diskussionen und Streitgespräche um Ursprung und Beseitigung des feinen filamentären Niederschlags auf der Keramik prägten entscheidend die Entwicklung der menschlichen Sprache. Auch begann der Mensch, mit dem morgendlichen Ausklopfen des Elektrorasierers dem beginnenden Tag einen Rhythmus zu geben. Die Bedeutung des Rasiermehls für die Entwicklung der menschlichen Art ist also erheblich.

Der wirtschaftliche Aspekt des Rasiermehls wird mehr als unterschätzt, stellt es doch den drittbesten Pflanzendünger dar, den der menschliche Körper bereitstellen kann. Ich selber blase jeden morgen, am geöffneten Badezimmerfenster stehend, meine morgendliche Ernte in den Wind und lasse sie auf das Blumenbeet rieseln, in dem sich eine Rambler-Rose allerbester Gesundheit erfreut und sich kraftstrotzend gen Dachrinne reckt. Die Akzeptanz dieser Vorgehensweise von seiten der Nachbarschaft ist mutmaßlich weit größer, als es die Ausbringung der beiden besten Pflanzendünger, die der menschliche Körper bereitstellen kann, durch das selbe geöffnete Fenster wäre.

Ramblerrose, von Rasiermehl optimal gedüngt. Oben links befindet sich das Badezimmerfenster.

Und dann wäre noch ein ästhetischer Aspekt zu berücksichtigen, welcher erst seit kurzem, entdeckt von mir während der morgendlichen Abblasung, bekannt ist: Sonnenlicht bildet, wenn es im richtigen Winkel in ein Rasiermehlaerosol einfällt, einen Rasiermehlbogen, ganz ähnlich einem Regenbogen. Die Farbe der Haarfragmente und das Geschlecht des Spenders sind unerheblich. Experimente zur Untersuchung des Rasiermehlbogens sollten aber immer in Abwesenheit einer offenen Flamme durchgeführt werden, da es sonst im ungünstigsten Fall zu einer Schlagwetterexplosion kommen kann!

m.p.

Relevant


Ob im fernen Osten
ein Sack Reis umfällt,
dieses blöde Gedicht
dein Gemüt erhellt,
ist sowas von egal
und nicht relevant.
Noch immer werden Bücher
und Menschen verbrannt,
Städte in Schutt
und Asche gelegt,
Würde und Anstand
hinweg gefegt,
Paradiese verwüstet,
zu Kohle gemacht,
dem Abgrund entgegen,
nicht zu Ende gedacht.
Wir halten es aus,
solange es geht.
Doch nichts ist ewig,
auch nicht dieser Planet.



			

Das Sandkorn

Ein Sandkorn am Nudistenstrand
eine Poporitze fand,
die, nachdem sie es umgeben,
flugs begann, sich zu erheben,
mit dem Rest des Popos dran
und dem dazu gehör'gen Mann.
Dieser packte seine Sachen,
um sich auf den Weg zu machen,
and're Länder zu bereisen,
unter fremden Himmeln speisen.
*
So flog auch Sandkorn um die Welt,
brauchte weder Gold noch Geld.
London, Stockholm, Uppsala,
das kleine Sandkorn war schon da.
Rio, Rom, Guayaquil,
weiter geht's zum nächsten Ziel.
Kinshasa oder Baltimore,
Sandkorn hat noch vieles vor,
war überall, in Brünn und Wien,
in Glasgow und auch Aberdeen,
in Barcelona und Athen...
und hat nichts davon geseh'n.







Himmel ist…

…ewige Stille voll Harmonie,

ein Einklang in endloser Sinfonie.

Ein Echo von allem, was war und wird sein,

verhallt und bringt sein Wesen mit ein.

Und Licht erfüllt ihn, alles durchdringend,

und doch mild und weich und Wärme bringend.

Alles, was vormals in Schatten gehüllt,

erleuchtet dort, von Farben erfüllt.

Der Himmel ist fern und doch so nah,

aller Zeit Ende und immer schon da.

Ein Wimpernschlag rechts von der Realität,

versuchst ihn zu haschen, bist immer zu spät.

Er ist verschlossen und schließt dich nicht aus.

Er streckt seine Fühler nach dir aus.

Er tastet nach links, fühlt vor nach rechts

gleich Fäden eines Pilzgeflechts.

Er findet dich endlich, ertastet dein Herz.

Du spürst es, es sticht, jedoch ohne Schmerz.

Wenn du es zulässt, dass er dich berührt,

wirst du ihn finden, vom Herzen geführt.

Leuchtkäfer

Schwebe, kleiner Käfer, und entzünd' dein weiches Licht. 
Zauberst, durch die Zweige taumelnd, mir ein Lächeln in's Gesicht.
Leuchtest nur der Liebe wegen, glühst vor Leidenschaft,
bist klein und schwach und zart, doch voller Lebenskraft.
Wie wär' es, könnt auch ich im Meer der Leidenschaften schwimmen,
dich suchen, finden, lieben und danach ganz leis' verglimmen?



Tintenfische

Eine schöne Sepia

traf einen Octopus.

Er sprach zu ihr:“Da sind sie ja,“

und gab ihr einen Kuss.

*

Doch sie, die auf Kalmare stand,

ließ unverblümt ihn wissen,

er sei ihr viel zu klein und fand,

er könne sich verpissen.

*

Der arme kleine Octopus,

vom Kummer schwer getroffen,

kaufte Schnaps und Schahampus

und hat sich ein’n gesoffen.

E-Horse

Endlich geliefert, endlich montiert! Sein schwarzes Fell glänzt in der Sonne, geduldig steht er, angeleint an einem Metallring, vor der Garage. Gelegentlich scharrt er, seiner Programmierung gemäß, mit einem seiner großen vorderen Laufräder.

Er…ja, ich habe heute den Hengstmodus gewählt, ST für ’stallion‘, mal schau’n, welche Nickeligkeiten er drauf hat. Wenn ich entspannt reiten möchte, wähle ich M für ‚mare‘, also Stute.

Ich löse das Ladekabel aus dem unter dem Schwanz verborgenen Anschluss, ein Beben läuft über seine Flanken. erwartungsvoll hebt er den Kopf. Sein Schnauben klingt wirklich täuschend echt, ich bin begeistert, fast möchte man ihm eine Möhre reichen.

Das Zügel und die Steigbügel einzuhängen ist auch für den unerfahrenen Laien wie mich ein leichtes. Einen Sattel muss ich nicht auflegen, da er schon in den Rumpf integriert ist.

Dann kann’s ja losgehen…ich setze den linken Fuß in den Steigbügel und schwinge mein rechtes Bein über den Rücken, was ganz einfach ist, weil er, sensorikgesteuert, in diesem Moment alle 4 Beine etwas einknickt.

Ich ergreife mit beiden Händen das Zügel und lege sie auf den Nacken des…äh…Gerätes. Ein Touchscreen-Feld öffnet sich…TherapieHorse-Lippizaner-ArabianRaceHorse-Fury lese ich. Ach ja, TempramentControl, hätte ich fast vergessen. Ich wähle Fury, was sonst, heut ist ein schöner Tag!

Bevor es losgeht: Gangart wählen, ich entscheide mich für Trab, Galopp spare ich mir für dramatische Momente auf. Nun noch die Route programmieren… Innenstadt natürlich, Fussgängerzone, natürlich! E-horses stehen in keiner Verordnung, also dürfen sie alles! Einmal ganz entspannt über den Alten Markt, dann die Obernstrasse hoch, an den Cafés vorbei. Mannoman, werden die glotzen!

Fortsetzung droht 🤪