Über mich

Was habe ich nicht schon alles ausprobiert, um einen eigenen Ausdruck zu finden! Singen, dichten, Ukulele spielen, malen, fotografieren, Drachen und Bumerangs bauen, Pflanzen züchten – alles kann ich ein bisschen, nichts beherrsche ich perfekt. Aber: macht das was? Nö! Is‘ mir egal, ehrlich. Nun ist gerade Bloggen dran, eine feine Art, die zuvor genannten Leidenschaften zusammen zu führen, mir eine Bühne zu geben und euch zu unterhalten. Ja, ich bin auch ein bisschen Rampensau, ich gestehe. Ich freue mich, wenn ihr liked, beim Chorsingen stehe ich gerne in der ersten Reihe, und Poetry Slams habe ich auch schon mehrmals bestritten, und im November bekomme ich die Gelegenheit, in einer lokal populären Show in Bielefeld einige Gedichte vorzutragen. Eure Blogs wiederum beflügeln meine Fantasie, geben mir Impulse, lassen mich nachdenken, mitfühlen und lachen. Bitte weiter so!

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Rasiermehl

Kaum ein Produkt menschlicher körperlich-physiologischer Produktivität wird so wenig beachtet wie das Rasiermehl. Trotz seiner weltweiten Allgegenwärtigkeit nimmt es doch im sozio-ökologischen und kulturellen Bewußtsein der Menschheit einen nur geringen Raum ein, obwohl fast ein jeder von uns täglich mit seiner Anwesenheit konfrontiert wird, und sei es als frühmorgendliche Hinterlassenschaft auf dem Waschbeckenrand. Die unendlichen Diskussionen und Streitgespräche um Ursprung und Beseitigung des feinen filamentären Niederschlags auf der Keramik prägten entscheidend die Entwicklung der menschlichen Sprache. Auch begann der Mensch, mit dem morgendlichen Ausklopfen des Elektrorasierers dem beginnenden Tag einen Rhythmus zu geben. Die Bedeutung des Rasiermehls für die Entwicklung der menschlichen Art ist also erheblich.

Der wirtschaftliche Aspekt des Rasiermehls wird mehr als unterschätzt, stellt es doch den drittbesten Pflanzendünger dar, den der menschliche Körper bereitstellen kann. Ich selber blase jeden morgen, am geöffneten Badezimmerfenster stehend, meine morgendliche Ernte in den Wind und lasse sie auf das Blumenbeet rieseln, in dem sich eine Rambler-Rose allerbester Gesundheit erfreut und sich kraftstrotzend gen Dachrinne reckt. Die Akzeptanz dieser Vorgehensweise von seiten der Nachbarschaft ist mutmaßlich weit größer, als es die Ausbringung der beiden besten Pflanzendünger, die der menschliche Körper bereitstellen kann, durch das selbe geöffnete Fenster wäre.

Ramblerrose, von Rasiermehl optimal gedüngt. Oben links befindet sich das Badezimmerfenster.

Und dann wäre noch ein ästhetischer Aspekt zu berücksichtigen, welcher erst seit kurzem, entdeckt von mir während der morgendlichen Abblasung, bekannt ist: Sonnenlicht bildet, wenn es im richtigen Winkel in ein Rasiermehlaerosol einfällt, einen Rasiermehlbogen, ganz ähnlich einem Regenbogen. Die Farbe der Haarfragmente und das Geschlecht des Spenders sind unerheblich. Experimente zur Untersuchung des Rasiermehlbogens sollten aber immer in Abwesenheit einer offenen Flamme durchgeführt werden, da es sonst im ungünstigsten Fall zu einer Schlagwetterexplosion kommen kann!

m.p.

Pollenflug

Ich döse auf dem bordeauxfarbenen Sofa, da ruft Kalle an. Kalle ist mein dickster Freund, im wahrsten Sinne des Wortes, und zugleich mein Fluglehrer. „Komm in die Pötte“, brüllt er. „Leichte Brise, Sonnenschein, 1A-Flugwetter. Vergiß nicht, vorher zu pinkeln!“ Ich schmeiß das Handy in die Ecke, spring vom Sofa und geh  pinkeln. Das ist wichtig, pinkeln während des Fluges geht nicht, weil man die Hände freihalten muß. Ein Blick in den Spiegel – Styling ist wichtig, von wegen der Mädels. Bomberjacke, rotes Halstuch, reicht.

Ach ja, und das allerwichtigste: der 50-Euro-Schein.

Parkplatz Real-Markt Teutoburger Straße: dreckige Autos, quietschende Kinder, quengelnde Einkaufswa… –ach nein, andersrum!  Haha, kleiner Autorenscherz…die Sonne brennt auf den Asphalt. Heißer Asphalt gibt guten Auftrieb, denke ich und werfe einen Blick auf die Autos –zugestaubt mit einer Patina aus Pollen.

 Kalle von weitem! „Na endlich!“, und, als ich näher komme:“Na, aufgeregt? Dein erster Flug heute, hast dir einen schönen Tag ausgesucht. Los, zum Flugdeck!“ Meint damit das Parkdach des Real-Marktes – weiträumig und eben.

Wir betreten selbiges, die anderen sind auch schon da, alle Mitglieder der Flugschule ‚Ikarus unplugged’, einige mal wieder  in schrillem Outfit. It’s Showtime. Manche übertreiben es, so wie Tanga-Toni mit seinem Italo-Knackarsch.

Carola ist auch schon da. Ich mag sie, sie fliegt immer mit Minirock, obwohl sie einen sehr fetten Hintern hat und außerdem nach Knoblauch riecht. Dieser Umstand und die Tatsache, daß sie zudem noch aus Braunschweig stammt, erklären ihren Spitznamen: Flying Sausage, nicht etwa Flying Saucer!

Money-Manni, auf deutsch Geld-Mannfred, kommt auch gerade. Er ist Sparkassenleiter und stylistisch eine Schande, er fliegt mit Helm und Krawatte, dafür kann er aber Looping und Rückwärts und macht die Vereinskasse.

Willi ist Imker und gilt als der Entdecker des Pollenfluges, seit er vor Jahren heraus fand, daß Pollen halluzinogen wirken und Flügel verleihen. Seitdem kassiert er Unsummen von Red Bull und anderen Drogenkartellen dafür, daß er sein Wissen nicht preis gibt. Trotzdem ist er bescheiden geblieben. Nur auf sein Biene-Willi-Kostüm, das er manchmal trägt, mag er nicht verzichten.

Toni schreitet zum erstbesten dreckigen PKW, zückt einen 50-Euro-Schein, den er hinter dem String stecken hat, rollt ihn und zieht sich eine satte Linie von der Motorhaube. „Hmmm – Birke/Haselnuss, leichter Hauch von Saharastaub“, stellt er mit Kennermiene fest. Die anderen schließen sich an, nur Kalle sucht nach einer Nobelkarosse, was am Real-Markt wenig Sinn macht.  Er findet schließlich einen 5er-BMW, zückt einen 200-Euro-Schein und kann so der billigen Droge einen Rest von Exklusivität verleihen.

Die Wirkung setzt bei allen zügig ein: verklärter Blick, dämliches Grinsen, dann: Arme ausbreiten, abstoßen, abheben und alles vergessen, was man in Physik gelernt hat.

Vor mir schwebt Carola hüfthoch über dem Asphalt. Sie hat’s besonders leicht, weil sie nie Physik hatte, und wenn doch, durch innere Abwesenheit glänzte. Ihr Haar flattert im Wind, ihr Minirock nicht, dafür ist er zu eng, da flattert nichts! Ich reiße mich von dem Anblick los, zücke meinen Fünfziger und ziehe mir meine erste Linie, ganz langsam…inhaliere tief…ganz tief…Ha! Was ist…was…was…meine Füße! Halt…nein…uih! Huch…diese Leichtigkeit…ich stoße mich ab…ich bin eine Feder… treibe im Wind, vom Winde verweht, oder vom Winde verwirrt?

Ist das geil! Ich fliege! Mannomann! Mit ausgebreiteten Armen dümple ich über das Dach.

Kalle schwebt vorbei, sein Bauch schrappt über den Asphalt. Er lacht. „Geht doch!“ „Und was jetzt?“ „Wie, was jetzt?“ „Ich mein, wie komm ich vorwärts und so?“ „Mach’s einfach, denk nicht drüber nach.“ Ich denke nicht drüber nach und genieße den warmen Wind.  

Kalle macht sich in Richtung Helmholz-Gymnasium davon, um den Unterricht zu stören. Er trägt heute ein Käppi mit Propeller. Die Schüler kennen das schon und nennen ihn Karlson vom Dach.

Ich stelle mir vor, wie es wäre, mal über die Brüstung zu schauen, und schon treibe ich darauf zu. Uuups….der Blick in die Tiefe tut meinen Augen gar nicht gut. Ich schließe sie und versuche, an nichts zu denken, was mit Schwerkraft und Aufprallenergie zu tun hat. Luftwiderstand ist ein schönes Thema, denke ich, oder Aerodynamik. Ich könnte die Füße nach hinten strecken. Ein schmales Gesicht machen, die Ohren anlegen….schon spüre ich, ich beschleunige, werde schneller, immer schneller, zu schnell, außer Kontrolle, die Luft rauscht vorbei. Ich blinzle erschrocken durch die halbgeschlossenen Augenlider und kann gerade noch dem Städtischen Klinikum, 10. Stock, Gynäkologie ausweichen. Scheiße, das war knapp. Ich verharre zitternd, fange mich, hole tief Luft. Ich schiele durch eines der großen Fenster. Eine Frau, vielleicht Hebamme, zeigt aufgeregt mit dem Finger auf mich und formuliert ihre Erregung ob meiner unerwarteten Anwesenheit, indem sie den Titel eines berühmten Schlagers der Neuen Deutschen Welle zitiert. ´Dadada`, formen ihre Lippen tonlos hinter der Doppelverglasung, dann kippt sie um, wahrscheinlich Ohnmacht.

Nix wie weg, denke ich, ich falle auf, Real-Markt, denke ich, um 10 Sekunden später dort einzutreffen, 60 Meter über dem Parkplatz. Ich beruhige mich, lasse mich treiben. Neben mir flattert eine Krähe. Nicht ungewöhnlich, trüge sie nicht eine rote Mütze.   

„Was tust du“, fragt sie. Oh, die Krähe kann sprechen! „Ich fliege“, antworte ich oberschlau und denke, wenn die sprechen kann, kann ich auch fliegen. „Ach, ja?“ Sie schaut mich zweifelnd an. „Und was meint die Schwerkraft dazu, hä?“ Sie dreht ab und macht sich davon, nur eine kleine Feder bleibt zurück, fliegt mir ins Gesicht und kitzelt.

Die Schwerkraft blickt promt in meine Richtung, als sie ihren Namen hört und teilt mir augenblicklich mit, was sie von der ganzen Sache hält: ich falle.

60 Meter sind ganz schön hoch, sollte man meinen, Zeit genug, noch einige wichtige Sachen zu erledigen. Weit gefehlt, für diese Höhe ist auch das Vaterunser schon zu lang. Die Zeit reicht gerade aus, zu bemerken, daß das Auto unter mir sehr schnell größer wird, festzustellen, daß sich auf dem Dach ein Dachgepäckträger befindet und auf diesem zwei Fahrräder. Die Kindersitze hätten sie abmontieren können, wenigstens das, denke ich, das senkt auch den Spritverbrauch, dann schlage ich auf…

Mein Bewußtsein kehrt widerwillig zurück. Sanfte Musik umplätschert mein dämmriges Dasein, bin ich im Himmel? Ich spüre keinen Schmerz, was mich wundert, ich sollte von Speichen durchbohrt sein, eine Fahrradklingel in der rechten Augenhöhle steckend. Ich spüre keine Klingel im Auge. Wahrscheinlich Mountain-Biker, denke ich, die klingeln nie. Vorsichtig öffne ich die Augen. Alles rot, blutrot, ich liege weich.

„Na, Schatz, ausgeschlafen?“, flötet meine Frau, die sich über das bordeauxfarbene Sofa beugt und mich anlächelt. Sie trägt ihre schwarze Jacke, dazu die rote Mütze. „Wo bist du gewesen, hast du geträumt? Oh, du hast ja eine Feder im Haar! Wie süß“

©m.p.

 

Herbstblätter

Die Lust und die Freude an Farben ist uns gegeben, und so kommen wir besonders im Herbst in den Genuss, uns an ihnen zu ergötzen. Die abgebildeten Blätter entstammen meinem Garten.

Zierapfel,Aronia,RoterZierapfel,Nashibirne,Feige,Felsenbirne,Elsbeere,Ebereschenmispel

Herbst im Garten

Die letzten Früchte der Zwergbaumtomate(Cyphomandra abotiloides)reifen, nachdem ich den Strauch für die Überwinterung schon zurück geschnitten habe. Sie sehen toll aus, ihr Geschmack ist aber nicht über jeden Zweifel erhaben.

Die Blätter der von mir aus einem Samen gezogenen Nashibirne färben sich rötlich.

Ein überwältigendes Farbspiel – die letzten Blüten der Wilden Malve(Malva sylvestris) vor dem vergehenden Laub von Asparagus.

Spät, aber unermüdlich blüht die Feinstrahlaster. Sie versucht, über unterirdische Ableger die Herrschaft im Garten zu erringen.

Total langes Herbstgedicht

Dieses Gedicht besteht aus neuem und altem, ist aus mehreren meiner Gedichte zusammen gesetzt, und wird am kommenden Mittwoch beim Poetry-Slam im Bunker Ulmenwall in Bielefeld zum Besten gegeben.

Total langes Herbstgedicht

 

Spinnensilber in den Zweigen

fängt der Morgensonne Licht,

verheißt uns, dass im Jahresreigen

eine neue Zeit anbricht.

 

Frischer Tau, der still gesunken,

blitzt und glitzert voller Pracht.

Regenbogenfarb’ne Funken,

ein Geschenk der letzten Nacht.

 

Und über mir der Apfelbaum

verströmt der Reife Duft.

Ich träume tief und atme kaum

die lichtgetränkte Luft.

 

September, Freund der alten Weiber,

der noch mal wärmt die kalten Leiber,

der Äpfel rötet, Zwetschgen bläut

und uns mit gold’nem Glanz erfreut.

 

Du schenkst uns, einer Glocke gleich,

des Sommers Nachklang, warm und weich.

Schenkst auch den Wespen deinen Segen,

die sich an uns’ren Tischen regen.

 

 Gelbgestreifte Plagegeister,

ungeliebte Ärgermeister!

Apfelsaft und Pflaumenkuchen –

Grund genug, uns zu besuchen.

 

Honig, Fleischwurst, selbst im Bier!

Verdammt nochmal, verpisst euch hier!

Ach, holt euch doch, was ihr begehrt!

Noch umschwärmt ihr, wohlbewehrt,

 

meinen Kopf, elende Plage.

Doch gezählt sind eure Tage.

Schon zur nächsten Monatswende

Geht es auch mit euch zu Ende.

 

Oktober, nahst in Pracht und Fülle,

kleidest dich in bunte Hülle.

Dein spinnenseid’ner Faden bricht

der gold’nen Morgensonne Licht.

 

Oh Füllhorn, überquellend prall!

Nicht enden möcht der Äpfel Fall.

Maronen, Birnen, süße Reben –

Ich nehme gern, was du gegeben.

 

 Doch schnell vergeht der Farben Pracht,

steigt kalter Nebel in die Nacht.

Aus rot wird braun, aus silbern grau.

Gib zu: du wusstest es genau!

 

Oktober: Täuscher, Bauernfänger!

Machst Tage kurz und Schatten länger.

Und hinter dir steht scharrend schon

November, alter Hurensohn!

 

Dein Sturm hebt an, jagt über’s Land,

brüllt und bricht und hebt die Hand,

treibt wirbelnd Blätter vor sich her,

schlägt Baum und Haus und Meer.

 

Dann herrscht Stille, Nebel klebt

auf nassem, schwerem Feld.

Die kalte fahle Sonne hebt

nur matt ihr Haupt. Trüb ist die Welt.

 

Doch aus dem Dunst ragt naseweis,

leuchtend rot und schwer behangen,

ein spitz bedornter Rosenreis,

woran Hagebutten prangen.

 

 Prall und rund, voll stillem Leben!

Noch schläft’s, wird harren Frost und Eis.

Doch wenn sich Frühlingsgeister heben,

erwacht ein neuer Rosenreis.

 

November, Totengräbers Freund,

der Blüten bleicht und Blätter bräunt,

bringst des Oktobers Werk zu Ende,

machst Schnotternasen, kalte Hände

 

und bescherst so manchem Haus

unerwartet Leichenschmaus.

Doch: wo wir schon beim Essen sind:

Du bietest, weiß ein jedes Kind,

 

kalorienreiche Sachen,

die Groß und Klein sehr glücklich machen.

Gebunkert im Vorweihnachtswahn –  

Stollen, Printen, Marzipan.

 

Spekulatius mag ich sehr.

Schwupp – schon ist die Packung leer.

Wir futtern und verdauen heiter,

und der Arsch wird immer breiter.

 

Ja, der Herbst hat viele Seiten,

gute wie auch schlechte Zeiten.

Was man am meisten an ihm liebt,

ist, wenn’s was zu essen gibt.

Herbstmild

weiches Licht, besonders heute,

milchigblau der Himmel

Winde ruhen, Vögel schweigen,

Äpfel fallen, sonnenschwer

honigzäh und schwer der Duft

von tausend Efeublüten

bannt mich, lässt mich stille stehn

und Pfauenaugen taumeln

Herbstblätter

Es wird langsam Zeit, sich damit abzufinden, dass auch der schönste Sommer einmal zu Ende geht und dem Herbst Platz macht, zu dessen schönsten Aspekten die bunten Blätter zählen. Die ersten habe ich bereits gefunden.

Könnte es sein, dass einem heißen Sommer ein besonders bunter Herbst folgt? Lassen wir uns überraschen.

Liebe Grüße an euch alle!

Martin

Übergewicht gegen Erderwärmung

Bitte nicht allzu ernst nehmen!

Ja, ich gestehe: ich bin eitel. Und darum ist es für mich auch von Bedeutung, rank und schlank zu sein, sportlich zu wirken und meinem ästhetischen Empfinden zu genügen. Ich betone, dass es mich wenig stört, wenn andere Menschen dick sind, nur: ich möchte schlank sein.

Ich habe deshalb nach Silvester, als die Zeit des Großen Fressens vorbei war, begonnen, auf meine täglichen 1 bis 2 Stücke Kuchen und auf Süßigkeiten weitgehend zu verzichten, ich habe mich fettarm, aber gesund ernährt, und ich habe wieder mit dem Laufen begonnen. Ich wurde mit einem Gewichtsverlust von 5 kg in 4 Wochen belohnt. Die Eingeweihten, also ihr gleich, wissen, dass ich 185 cm groß und 57 Jahre alt bin. Wenn ich euch nun verrate, dass mein Gewicht von 86 kg auf 81 kg gefallen ist, werdet ihr euch womöglich an die Stirn tippen und denken, ‚jetzt spinnt er aber, der hat doch gar kein Übergewicht‘. Doch, das hatte ich, zumindest zu Silvester. Nichts desto trotz wachsen langsam Zweifel in mir, ob es richtig ist, abzunehmen, und(an dieser Stelle wird es langsam Zeit, die Ironieschaltkreise zu aktivieren) teuer erkaufte Fettreserven abzubauen. Denn: vergessen wir eines nicht: jedes Gramm Fett, welches wir verbrennen, ergibt eine gehörige Menge Kohlendioxid, welches ein Treibhausgas ist, wie wir alle wissen. Wenn also alle Menschen, die zu dick sind, abnehmen, tragen sie in nicht unerheblichem Maße zur Erderwärmung bei – so gesehen vielleicht gar nicht so schlecht, denn wer dünn ist, friert eher(ihr merkt, wir nähern uns der Stelle, an der auch  die Zynismusschaltkreise aktiviert werden sollten). 

Aus dem bisher gesagten ergibt sich die folgende Logik: wollen wir die Erde vor weiterer Erwärmung schützen, müssen wir alle zunehmen, und zwar kräftig. Wer mir nicht glaubt, möge sich bitte auf folgende Überschlagsrechnung einlassen.

Die Erde trägt zur Zeit 7 Milliarden Menschen. Nehmen wir an, jeder Mensch frisst sich 10 kg Übergewicht an. Hier gehen übrigens die Deutschen mit gutem Beispiel voran, die Avantgarde stellen allerdings die Amerikaner dar. Wir nehmen weiterhin an, dieses Übergewicht besteht aus reinem Fett, wodurch sich eine Gesamtfettmasse von 70 Milliarden kg ergibt, das entspricht 700 Millionen Tonnen. Diese haben, damit ihr es euch besser vorstellen könnt, ein ungefähres Volumen von 800 Millionen m³. Das entspricht einem Quader von 1000 m Länge, 1000 m Breite und 800 m Höhe und beträgt mehr als das Volumen der Müritz(737 Mill. m³), des größten Sees in Mecklenburg-Vorpommern. So weit so gut, könntet ihr denken, halt ein großer Fettklumpen, der irgendwo rumsteht, möglichst weitab der Zivilisation, sagen wir mal, im Emsland gleich hinter Lingen, und vor sich hin gammelt. Aber: jedes Kilogramm Fett entspricht einem bestimmten Äquivalent Kohlendioxid. Verbrenne ich es, wandelt es sich in das Treibhausgas um, setze ich es als Hüftgold an, bildet es sich letztendlich aus jenem. Und jetzt kommt’s richtig dicke! Aus 1 kg Fett entstehen durch Verbrennung 1.3 m³ reines Kohlendioxid, aus 1 Tonne Fett somit 1300 m³ und aus 700 Millionen Tonnen unglaubliche 910 Milliarden(!) m³ reines Kohlendioxid – oder bildlicher beschrieben: ein Würfel aus Kohlendioxidgas  mit einer Kantenlänge von 9700 Metern! Das entspricht bei einem atmosphärischen Gehalt von 0,04%(noch!) einem Atmosphärenwürfel mit einer Kantenlänge von 131,5 km(2,27 Billiarden m³)!!!

Alle oben genannten Zahlen sind fundiert und die Rechnungen nach meinem Ermessen recht ordentlich, immerhin hatte ich Mathe-Hochleistugskurs im Abi, wenn auch mit miserabler Abschlussnote. Die Devise muss also lauten: Fressen, fressen, fressen, was hineingeht! 10 kg Übergewicht sind ja nur die Basis der Berechnung, die Masse der Speckgürtel und Hüftpolster ist ja nach oben offen, da ist noch viel möglich, wie uns manche Mitmenschen erfolgreich demonstrieren.

Wie bei der bisherigen vergeblichen Suche nach dem optimalen Kohlendioxiddepot die Möglichkeit der Lagerung als Körperfett übersehen werden konnte, ist mir einigermaßen schleierhaft, aber noch ist es nicht zu spät!

©Martin Pierick