Rosenzucht(III)

Die Zeit der Rosenblüte ist gekommen, und schon juckt es mir in den Fingern, endlich einmal ganz zielstrebig eine eigene Rose zu züchten, deren Eltern mir beide bekannt sind. Bisher habe ich lediglich Stecklinge vermehrt, welche ja logischerweise identisch mit der Mutterpflanze sind, oder – schon ein Fortschritt – Samen zum Keimen gebracht, deren Mutterpflanze mir bekannt war, jedoch die pollenspendende Vaterpflanze unbekannt blieb.

Mutterpflanze: Rose ‚Dortmund‘ , Vaterpflanze unbekannt, also eine Halbwaise

Gelegentlich ziehe ich auch Rosen groß, deren Eltern mir komplett unbekannt sind, wie z. B. die von mir so benannte Rose ‚Melli‘, die ich als Sämling in einem Blumentopf fand.

  Die Rose ‚Melli‘, eine Vollwaise

Ab nun werde ich professioneller vorgehen, denn ich werde Pollen einer mir bekannten Art auf die Narbe einer anderen mir bekannten Art auftragen und zugleich eine Fremdbestäubung ausschließen!

Als Mutterpflanze erwähle ich die Immergrüne Rose(Rosa sempervirens). Warum? Sie beginnt gerade zu blühen und ist zugleich vom im ersten Stockwerk gelegenen Badezimmerfenster aus sehr leicht zu erreichen, da sie eine Ramblerrose ist, also klettert. Sie hat recht große weiße ungefüllte Blüten und ist z. T. wintergrün. An der Hauswand ist sie ausreichend winterhart.

Die Immergrüne Rose(Rosa sempervirens)

Als Bestäuber habe ich die allseits aus den Dünen der Nordseeinseln bekannte Kartoffelrose (Rosa rugosa) erwählt, da sie direkt in der Nachbarschaft zu finden ist, sehr reichlich Pollen spendet und sich zudem in allen Merkmalen deutlich von der Mutterpflanze unterscheidet. Sollte ich also Hagebutten mit Samen gewinnen und letztere auch zum Keimen bringen können, dürfte ich sehr auf das Ergebnis gespannt sein! Hier eine Gegenüberstellung der wichtigsten Merkmale der Elternpflanzen:

                              Immergrüne Rose                               Kartoffelrose

Blütenfarbe              weiß                                                        dunkelrosa

Bedornung                mäßig                                                     stark

Duft                            schwach                                                 stark

Wuchs                        kletternd                                                strauchförmig,

Das weitere Vorgehen ist keine hohe Kunst, die größte Herausforderung ist vielmehr die Geduld, die man aufbringen muss, bis man das Ergebnis sieht.                                           Alles, was ich an Werkzeug benötige, ist eine Nagelschere und ein kleines ettiketiertes Kunststofftütchen. Zunächst entferne ich vorsichtig die Blütenblätter einer Knospe der Immergrünen Rose, die kurz vor der Öffnung steht. Dabei darf die in der Mitte stehende Narbe auf keinen Fall verletzt werden! Im nächsten Schritt entferne ich mit der Nagelschere – Pinzette geht auch – die zahlreichen Antheren, auch Staubgefäße genannt. Unterlässt man diese Maßnahme, kann es zur Selbstbestäubung kommen, was ich ja nicht möchte. Mein Ziel ist die Fremdbestäubung! Schließlich übertrage ich die Pollen einer Kartoffelrose auf die nun nackt und bloß stehende Narbe der Immergrünen Rose. Man kann dafür ein Pinselchen nehmen, ich reibe einfach die Blüten vorsichtig aneinander, das sollte genügen. Die hoffentlich befruchtete Blüte umhülle ich abschließend mit dem beschrifteten Plastiktütchen, auf dem die Vaterpflanze vermerkt ist, um sie vor späterer Fremdbestäubung zu schützen und gleichzeitig zu markieren, damit ich die sich bildenden Früchte im Herbst von anderen Hagebutten unterscheiden kann. Die sich bildenden Samen ernte ich im Dezember, säe sie in leichten Boden in einem Blumentopf und ettiketiere sie dauerhaft. Und dann schau’n wir mal…. 🙂 Bitte beide Daumen drücken!

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Rosenzucht(III)

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