Die Nacht der Chöre

Unser Chor – KlangArt – eröffnete den Abend. Lutz und ich übernahmen die Moderation. Der folgende Beitrag einschließlich des Fotos entstammt der Neuen Westfälischen vom 12.02.2018


Gefühlvoll: Der vor über 30 Jahren im Bielefelder Süden gegründete Chor KlangArt machte in der Oetkerhalle den Anfang. Foto: Sarah Jonek | © Sarah Jonek

Hohes Niveau bei der Nacht der Chöre

Mit einfallsreichen Kurzprogrammen stellten 4 Chöre aus Bielefeld und Umgebung in der ausverkauften Oetkerhalle ihre musikalische Klasse unter Beweis

 Antje Doßmann
12.02.2018 | Stand 11.02.2018, 19:45 Uhr

Kultur

Bielefeld. Die „Bielefelder Nacht der Chöre“, die am Samstagabend vor ausverkauftem Haus in der Oetkerhalle stattfand, gehört zu den festen Veranstaltungsgrößen der Stadt. So vielfältig ist die lokale und regionale Chorszene, dass sich Brigitte Brandt vom Kulturamt Bielefeld und Tom Kummerfeldt von Newtone, der als Moderator durch den Abend führte, bei ihrer Eröffnungsrede nur staunend freuen konnten über den nicht abreißenden Andrang der Bewerbungen.

In diesem Jahr traten mit „KlangArt“ und „Pinduc“ aus Bielefeld sowie „Werthers Echte“ und dem „Christophorus-Jugendkammerchor Versmold“ vier Formationen auf, die einmal mehr einen lebhaften Einblick in das umfangreiche Spektrum der Chormusik boten und das Publikum auf ganz unterschiedliche Weise begeisterten. Beeindruckend insgesamt das hohe musikalische Niveau der Darbietungen und die originelle, immer sehr fein auf den gesamten Chor abgestimmte Raffinesse der Arrangements. Das Ganze präsentiert ohne Firlefanz, dafür mit unterhaltsamem Ideenreichtum.

Das zeigte sich schon bei dem ersten Chor des Abends, KlangArt, der vor über 30 Jahren im Bielefelder Süden gegründet wurde. Inzwischen hat der auf Melodisches, Balladeskes spezialisierte Zusammenschluss Zulauf aus dem ganzen Stadtgebiet und mit Hedwig Diekwisch sowie Margret Kaupmann gleich zwei Leiterinnen. Unter dem Motto „The Rhythm Of Life“ präsentierten die acht Männer und doppelt so vielen Frauen ein gefühlvolles Programm. Neben Elton Johns „Electricity“ aus dem Film „Billy Elliot“ und Leonard Cohens „Hallelujah“ wagten sie sich auch an Händels „Lascia ch’io pianga“ aus „Rinaldo“. Eine Oper, die man mit den Worten „Jammerlappen besingt sein Schicksal“ zusammenfassen könnte, wie einer der Sänger launig bemerkte, bevor er die dunkle Arie dann im Schulterschluss mit seinem Chor sehr schön und bewegend interpretierte.

Im Bann der strahlenden Stimmen aus Versmold

Die im Anschluss zahlreich auf die Bühne Schwirrenden waren jüngere Semester, Mitglieder des 2009 an der Uni gegründeten A-cappella-Chors „Pinduc“ unter der Leitung von Lenard Stockfisch. Im leichten Gepäck der locker Singenden zwischen dem eröffnenden „Don’t Stop Me Now“ von Queen und dem Schlusslied „Shut Up And Dance“ von Walk The Moon eine großartig verspielte, für Chormusik eher ungewöhnliche Bearbeitung von Clean Bandits Electro-Dance-„Symphony“. Und beim anschließenden „System Of A Down“-Medley gab es sogar „Heavy Metall auf die Ohren“, wie Lenard Stockfisch grinsend vorwarnte. Halb so wild.

„Werthers Echte“ unter der Leitung von Bettina Landmeier sangen unter dem augenzwinkernden Motto „Höchste Töne aus tiefster Provinz“. Ihr Auftritt bot einigen Sängerinnen Gelegenheit zu mutigen Soli, was besonders bei Snow Patrols verträumter Ballade „Chasing Cars“ unter die Haut gehend glückte. Auch Klassisches fand humorvoll Platz in ihrem vielseitigen Programm, und so wurde Schubert launische Forelle im Nu zu Mozarts „kleiner Nachtforelle“ oder Webers „Freifisch“.

Zum Abschluss kam das Bielefelder Publikum in den Genuss des „Christophorus-Jugendkammerchors Versmold“, der im letzten Jahr siegreich aus dem WDR-Wettbewerb „Die Besten im Westen“ hervorgegangen war. Kaum hatten die 36 Schülerinnen und Schüler die ersten Töne von Scarlattis „Exultate Deo“ gesungen, verstand man erstens, warum sie gewonnen hatten, und war man zweitens im Bann dieser strahlenden Stimmen. Was für ein Erlebnis.

Egal, ob sie ein ungarisches Volkslied oder ein japanisches Fischerlied, Leonard Bernsteins „Somewhere“ oder „Yesterday“ von den Beatles anstimmten – alles geriet den jungen Sängerinnen und Sängern bewundernswert gut.

Nur zu lockerem Mitschwingen konnte ihr engagierter Leiter Hans-Ulrich Henning sie beim besten Willen nicht animieren. Statt ihrer deutete er selbst einen eleganten Tangoschritt an, während seine Schützlinge „El ultimo cafe“ sangen. Und nachsichtig über ihn lächelten.

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