Kindheit

 

Kindheit – das hieß, in den großen Ferien den ganzen Tag lang barfüßig zu laufen, abends von Brombeeren zerkratzte Beine zu haben, sich nach dem Ballspiel auf dem Schotterweg die Steinchen aus den Knien zu pulen. Das hieß, sich frei in der Nachbarschaft zu bewegen, überall waren Kinder, gespielt wurde nur draußen. Das hieß, auf den mittäglichen Glockenklang zu hören und pünktlich zum Essen zuhause zu sein. Das hieß, einmal im der Woche zu baden, möglichst als erster und alleine, das garantierte einem sauberes Badewasser. Das hieß, mit einer Frisur rumzulaufen, die landläufig ‚Pottschnitt‘ genannt wurde, das machte aber nichts, weil alle Jungs so aussahen. Das hieß, im Garten zu helfen, die Hühner zu füttern und später auch zu schlachten und zu rupfen, Löwenzahn für die Kaninchen zu suchen. Das hieß, jeden Moment mit einem Überschallknall eines Tieffliegers rechnen zu müssen. Das hieß, bei nichtigen Vergehen die lockere erziehende Hand eines Elternteils zu verspüren. Vieles war nicht schön damals, aber eines waren wir bestimmt: viel an der frischen Luft.

13 Gedanken zu “Kindheit

    • Wir haben unserer Mutter die Haare vom Kopf gefressen, wie man so schön sagt. Aber wir waren auch immer aktiv, und Hunger hatten wir immer, obwohl wir auch immer genug zu Essen bekamen. Damals entwickelte sich meine Lust auf Kuchen und Torten. 🙂

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  1. Eine lange Geschichte kurz gefasst und an ein eigenen Erinnerungen rührend. Das Beste am Sommer war für mich, wenn man abends sein Abendbrot „auf die Faust“ mitnehmen und nochmal zusammen mit den Freunden bis zur Dämmerung draussenbleiben durfte.

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  2. Ja, so war das bei uns auch … aber ganz ehrlich: Bis auf Pottschnitt und ab und zu „einen hinter die Löffel“ ist es hier auch immer noch so. 🙂 Mein Kind (11 jahre) hat keinen Computer, das Handy nur wegen der Schule (!) und ist den ganzen Tag im Wald und draußen.

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  3. Ja damals….
    Es war nicht alles schön, da hast du recht.
    Aber man durfte Kind sein und ohne Aufsicht auf Entdeckung gehen und schabernack treiben.
    Wenn man heute mal Kinder sieht, dürfen sie fast nichts weil irgend jemand sofort los meckert. Der heutigen Kindheit und Jugend entgeht soviel, das macht einen als Eltern traurig.

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  4. so sieht ein zufriedener maddin aus. das lächeln hast du heute noch. ich finde gar nicht, dass die frisur nach pottschnitt aussieht, aber der begriff sagt mir auch was. 🙂 in den ferien waren wir auch immer draußen, so lange es ging, sind auch viel barfuß gelaufen und haben u.a. rhabarberstangen in zucker getunkt. 🙂 (machst du das heute noch?)

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