Biotope im Siedlungsgebiet – Schotterflächen

In der Nähe unseres Wohnortes befindet sich ein Regenrückhaltebecken. Es ist überdacht, und die Betondecke ist von einer dicken verfestigten Schotterschicht bedeckt. Diese ist für die meisten Pflanzen ein denkbar schlechter Nährboden, da sie kaum Nährstoffe enthält, Wasser nicht bindet und bei Sonnenschein sehr warm wird. Es gibt aber Spezialisten, die genau solche Umstände lieben, weil sie ihnen Konkurrenten vom Hals oder vielmehr vom Stängel halten. Sie bilden nach einigen Jahren einen sogenannten Trockenrasen. Diese bestechen oft durch große Artenvielfalt und bezaubern durch zahlreiche bunte Blüten im Kontrast zur Kargheit des Bodens.

Vielleicht war der Schotter mit Samen ‚kontaminiert‘, vielleicht wurde die Saat gezielt vom Gartenamt ausgebracht, jedenfalls erblühten schon im Jahr nach der Errichtung die ersten Färberkamillen, schnell kamen Hornklee, Pimpernelle, Taubenkropf und andere hinzu. Da wurde die Sache für mich interessant. Mir war klar: in städtischer Isolation haben nur wenige Arten die Möglichkeit, diesen kleinen Flecken basaltischen Paradieses zu finden und zu erreichen.

Also half ich nach. An geeignete Samen und Ableger zu kommen war für mich kein Problem, und so stieg von Jahr zu Jahr die Anzahl der Arten.

Moschuserdbeeren und Walderdbeeren gesellten sich hinzu, Beifuss, Steinbrech- und Mauerpfefferarten, Margeriten, Flockenblumen, mehrere Kamillearten, orangeblühendes Habichtskraut, Natternkopf, Wundklee, Rotklee, wilde Möhre und Weinberglauch gedeihen dauerhaft im Schotter.

Im Übergangsbereich zur benachbarten Wiese wachsen Akeleien, Staudenwicken und das große Helmkraut.

Weitere Ansiedlungen sind schon geplant.

Bitte komme mir nun niemand mit Florenverfälschung – der Schotter hatte keine Flora und alle ausgebrachten Arten sind einheimisch.

Derartige menschengemachten Ödlandflächen findet man überall, manchmal winzig, manchmal riesig. Warum nicht ein paar Samen ausstreuen und neugierig und geduldig zuschauen, wie es aus der Ödnis spriesst?

7 Gedanken zu “Biotope im Siedlungsgebiet – Schotterflächen

  1. Weil es bei Dir gar so schön passt, zitiere ich mal Morgenstern:

    Stilles Reifen

    Alles fügt sich und erfüllt sich,
    musst es nur erwarten können
    und dem Werden deines Glückes
    Jahr‘ und Felder reichlich gönnen.

    Bis du eines Tages jenen
    reifen Duft der Körner spürest
    und dich aufmachst und die Ernte
    in die tiefen Speicher führest

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