Total langes Herbstgedicht

Dieses Gedicht besteht aus neuem und altem, ist aus mehreren meiner Gedichte zusammen gesetzt, und wird am kommenden Mittwoch beim Poetry-Slam im Bunker Ulmenwall in Bielefeld zum Besten gegeben.

Total langes Herbstgedicht

 

Spinnensilber in den Zweigen

fängt der Morgensonne Licht,

verheißt uns, dass im Jahresreigen

eine neue Zeit anbricht.

 

Frischer Tau, der still gesunken,

blitzt und glitzert voller Pracht.

Regenbogenfarb’ne Funken,

ein Geschenk der letzten Nacht.

 

Und über mir der Apfelbaum

verströmt der Reife Duft.

Ich träume tief und atme kaum

die lichtgetränkte Luft.

 

September, Freund der alten Weiber,

der noch mal wärmt die kalten Leiber,

der Äpfel rötet, Zwetschgen bläut

und uns mit gold’nem Glanz erfreut.

 

Du schenkst uns, einer Glocke gleich,

des Sommers Nachklang, warm und weich.

Schenkst auch den Wespen deinen Segen,

die sich an uns’ren Tischen regen.

 

 Gelbgestreifte Plagegeister,

ungeliebte Ärgermeister!

Apfelsaft und Pflaumenkuchen –

Grund genug, uns zu besuchen.

 

Honig, Fleischwurst, selbst im Bier!

Verdammt nochmal, verpisst euch hier!

Ach, holt euch doch, was ihr begehrt!

Noch umschwärmt ihr, wohlbewehrt,

 

meinen Kopf, elende Plage.

Doch gezählt sind eure Tage.

Schon zur nächsten Monatswende

Geht es auch mit euch zu Ende.

 

Oktober, nahst in Pracht und Fülle,

kleidest dich in bunte Hülle.

Dein spinnenseid’ner Faden bricht

der gold’nen Morgensonne Licht.

 

Oh Füllhorn, überquellend prall!

Nicht enden möcht der Äpfel Fall.

Maronen, Birnen, süße Reben –

Ich nehme gern, was du gegeben.

 

 Doch schnell vergeht der Farben Pracht,

steigt kalter Nebel in die Nacht.

Aus rot wird braun, aus silbern grau.

Gib zu: du wusstest es genau!

 

Oktober: Täuscher, Bauernfänger!

Machst Tage kurz und Schatten länger.

Und hinter dir steht scharrend schon

November, alter Hurensohn!

 

Dein Sturm hebt an, jagt über’s Land,

brüllt und bricht und hebt die Hand,

treibt wirbelnd Blätter vor sich her,

schlägt Baum und Haus und Meer.

 

Dann herrscht Stille, Nebel klebt

auf nassem, schwerem Feld.

Die kalte fahle Sonne hebt

nur matt ihr Haupt. Trüb ist die Welt.

 

Doch aus dem Dunst ragt naseweis,

leuchtend rot und schwer behangen,

ein spitz bedornter Rosenreis,

woran Hagebutten prangen.

 

 Prall und rund, voll stillem Leben!

Noch schläft’s, wird harren Frost und Eis.

Doch wenn sich Frühlingsgeister heben,

erwacht ein neuer Rosenreis.

 

November, Totengräbers Freund,

der Blüten bleicht und Blätter bräunt,

bringst des Oktobers Werk zu Ende,

machst Schnotternasen, kalte Hände

 

und bescherst so manchem Haus

unerwartet Leichenschmaus.

Doch: wo wir schon beim Essen sind:

Du bietest, weiß ein jedes Kind,

 

kalorienreiche Sachen,

die Groß und Klein sehr glücklich machen.

Gebunkert im Vorweihnachtswahn –  

Stollen, Printen, Marzipan.

 

Spekulatius mag ich sehr.

Schwupp – schon ist die Packung leer.

Wir futtern und verdauen heiter,

und der Arsch wird immer breiter.

 

Ja, der Herbst hat viele Seiten,

gute wie auch schlechte Zeiten.

Was man am meisten an ihm liebt,

ist, wenn’s was zu essen gibt.

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Herbstmild

weiches Licht, besonders heute,

milchigblau der Himmel

Winde ruhen, Vögel schweigen,

Äpfel fallen, sonnenschwer

honigzäh und schwer der Duft

von tausend Efeublüten

bannt mich, lässt mich stille stehn

und Pfauenaugen taumeln

Herbstblätter

Es wird langsam Zeit, sich damit abzufinden, dass auch der schönste Sommer einmal zu Ende geht und dem Herbst Platz macht, zu dessen schönsten Aspekten die bunten Blätter zählen. Die ersten habe ich bereits gefunden.

Könnte es sein, dass einem heißen Sommer ein besonders bunter Herbst folgt? Lassen wir uns überraschen.

Liebe Grüße an euch alle!

Martin

Übergewicht gegen Erderwärmung

Bitte nicht allzu ernst nehmen!

Ja, ich gestehe: ich bin eitel. Und darum ist es für mich auch von Bedeutung, rank und schlank zu sein, sportlich zu wirken und meinem ästhetischen Empfinden zu genügen. Ich betone, dass es mich wenig stört, wenn andere Menschen dick sind, nur: ich möchte schlank sein.

Ich habe deshalb nach Silvester, als die Zeit des Großen Fressens vorbei war, begonnen, auf meine täglichen 1 bis 2 Stücke Kuchen und auf Süßigkeiten weitgehend zu verzichten, ich habe mich fettarm, aber gesund ernährt, und ich habe wieder mit dem Laufen begonnen. Ich wurde mit einem Gewichtsverlust von 5 kg in 4 Wochen belohnt. Die Eingeweihten, also ihr gleich, wissen, dass ich 185 cm groß und 57 Jahre alt bin. Wenn ich euch nun verrate, dass mein Gewicht von 86 kg auf 81 kg gefallen ist, werdet ihr euch womöglich an die Stirn tippen und denken, ‚jetzt spinnt er aber, der hat doch gar kein Übergewicht‘. Doch, das hatte ich, zumindest zu Silvester. Nichts desto trotz wachsen langsam Zweifel in mir, ob es richtig ist, abzunehmen, und(an dieser Stelle wird es langsam Zeit, die Ironieschaltkreise zu aktivieren) teuer erkaufte Fettreserven abzubauen. Denn: vergessen wir eines nicht: jedes Gramm Fett, welches wir verbrennen, ergibt eine gehörige Menge Kohlendioxid, welches ein Treibhausgas ist, wie wir alle wissen. Wenn also alle Menschen, die zu dick sind, abnehmen, tragen sie in nicht unerheblichem Maße zur Erderwärmung bei – so gesehen vielleicht gar nicht so schlecht, denn wer dünn ist, friert eher(ihr merkt, wir nähern uns der Stelle, an der auch  die Zynismusschaltkreise aktiviert werden sollten). 

Aus dem bisher gesagten ergibt sich die folgende Logik: wollen wir die Erde vor weiterer Erwärmung schützen, müssen wir alle zunehmen, und zwar kräftig. Wer mir nicht glaubt, möge sich bitte auf folgende Überschlagsrechnung einlassen.

Die Erde trägt zur Zeit 7 Milliarden Menschen. Nehmen wir an, jeder Mensch frisst sich 10 kg Übergewicht an. Hier gehen übrigens die Deutschen mit gutem Beispiel voran, die Avantgarde stellen allerdings die Amerikaner dar. Wir nehmen weiterhin an, dieses Übergewicht besteht aus reinem Fett, wodurch sich eine Gesamtfettmasse von 70 Milliarden kg ergibt, das entspricht 700 Millionen Tonnen. Diese haben, damit ihr es euch besser vorstellen könnt, ein ungefähres Volumen von 800 Millionen m³. Das entspricht einem Quader von 1000 m Länge, 1000 m Breite und 800 m Höhe und beträgt mehr als das Volumen der Müritz(737 Mill. m³), des größten Sees in Mecklenburg-Vorpommern. So weit so gut, könntet ihr denken, halt ein großer Fettklumpen, der irgendwo rumsteht, möglichst weitab der Zivilisation, sagen wir mal, im Emsland gleich hinter Lingen, und vor sich hin gammelt. Aber: jedes Kilogramm Fett entspricht einem bestimmten Äquivalent Kohlendioxid. Verbrenne ich es, wandelt es sich in das Treibhausgas um, setze ich es als Hüftgold an, bildet es sich letztendlich aus jenem. Und jetzt kommt’s richtig dicke! Aus 1 kg Fett entstehen durch Verbrennung 1.3 m³ reines Kohlendioxid, aus 1 Tonne Fett somit 1300 m³ und aus 700 Millionen Tonnen unglaubliche 910 Milliarden(!) m³ reines Kohlendioxid – oder bildlicher beschrieben: ein Würfel aus Kohlendioxidgas  mit einer Kantenlänge von 9700 Metern! Das entspricht bei einem atmosphärischen Gehalt von 0,04%(noch!) einem Atmosphärenwürfel mit einer Kantenlänge von 131,5 km(2,27 Billiarden m³)!!!

Alle oben genannten Zahlen sind fundiert und die Rechnungen nach meinem Ermessen recht ordentlich, immerhin hatte ich Mathe-Hochleistugskurs im Abi, wenn auch mit miserabler Abschlussnote. Die Devise muss also lauten: Fressen, fressen, fressen, was hineingeht! 10 kg Übergewicht sind ja nur die Basis der Berechnung, die Masse der Speckgürtel und Hüftpolster ist ja nach oben offen, da ist noch viel möglich, wie uns manche Mitmenschen erfolgreich demonstrieren.

Wie bei der bisherigen vergeblichen Suche nach dem optimalen Kohlendioxiddepot die Möglichkeit der Lagerung als Körperfett übersehen werden konnte, ist mir einigermaßen schleierhaft, aber noch ist es nicht zu spät!

©Martin Pierick

 

Dänischer Limerick

Einst lagen dänische Hünen
am Strande der Insel Fünen.
Sie philosophierten.
Danach urinierten
sie ungeniert in die Dünen.

©m.p.

PS: zum Bild: gerade waren die  Dänen noch da. Ich habe aus Gründen der Diskretion und der Ästhetik gewartet, bis sie ihr Geschäft erledigt hatten. Außerdem stammt das Bild sowieso nicht aus Dänemark, sondern von Spiekeroog.

November

November, Totengräbers Freund,

der Blüten bleicht und Blätter bräunt,

hast jetzt, im Sommer, nichts verloren

auf Dichter- und Poetenforen.

Im Herbst, wenn sich die Wälder lichten,

werd‘ ich weiter an dir dichten.

🙂

Seltsame Blüten…

…treibt Mutter Natur, wie ich gestern wieder einmal freudig verwundert feststellen durfte. Eine von mehreren jungen Clematispflanzen, welche erst in diesem Frühjahr keimten und die wahrscheinlich einem meiner Kreuzungsversuche(Clematis armandii x Clematis alpina(korrigiert: vorher stand hier ‚montana‘, das war nicht korrekt)) entstammen, hat eine einzelne Knospe angesetzt, die sich gestern zur Blüte öffnete. Die Blüte ist ungewöhnlich klein, kleiner noch als die Blüten von Clematis vitalba, der häufigen und einheimischen Waldrebe. Die Blüte gleicht sehr jener von Clematis recta, der aufrechten Waldrebe, allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, diese ausgesät zu haben. Zuzutrauen wäre mir allerdings schon, dass ich bei einem Besuch eines Botanischen Gartens an ein paar Samen gelangt wäre…Ob nun diese Blüte sortenbedingt oder aufgrund der geringen Größe der Pflanze so klein ist, weiß ich nicht – die kommenden Jahre werden mir die Antwort geben, wenn die 4 von mir ausgepflanzten Exemplare größer und kräftiger werden und hoffentlich zahlreiche Blüten hervor bringen. Sie dürfen gerne klein sein, hübsch sind sie allemal.

Die Pflanzen zeigen noch eine weitere Auffälligkeit. Die ersten 10 – 12 Blätter sind lanzettförmig wie bei Cl. armandii, die späteren Blätter jedoch geteilt, wie man es von den meisten Clematisarten kennt. Dieses Merkmal ist auf dem unten stehenden Bild zu erkennen.