Stagnation

kein Laut, nur ein Pling

nur tröpfelnde Zeit

die Wolken ziehen

weiß durch den Himmel

 

ein gelbes Blatt fällt

pling leise vom Zweig

senkrecht, kein Wind weht,

und ruht im Rauhreif

 

das Rotkehlchen ruft

schmetternd ins Leere

pling und huscht davon

der Zweig schwingt noch nach

 

ich starre hinaus

pling! Da! Schon wieder!

und Stille, mein Blut

pulsiert taktdiktierend

 

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Körperpflege in Zeiten des Siechtums

In einem Punkt kann ich euch vorweg beruhigen: die Zahnpflege und die tägliche Rasur leiden nicht unter meiner derzeitigen körperlichen Eingeschränktheit. Die Haarpflege schon eher – wie bei Männern üblich, ist sie direkt und unmittelbar mit dem Duschen verbunden, natürlich unterscheide ich nicht zwischen Haarpflege- und Körperpflegeprodukten. Watt schäumt, datt schäumt, zur Not ginge auch Spüli oder Pril, hauptsach, ett schäumt. Ihr ahnt schon, wo der Hase im Pfeffer liegt: ich kann zur Zeit aufgrund meines Verbandes nicht duschen. Was macht man in so einer Situation? Man besinnt sich des guten alten Waschlappens. Ja, so etwas besitzen wir noch aus der Zeit, als unseren Kindern, mittlerweile beide erwachsen, zwischen der alten und der neuen Windel der Popo gereinigt wurde. Da man nicht überall am Körper schwitzt oder aus sonstigen Gründen müffelt, reicht es bei großzügiger Betrachtung, sich vorrangig um die neuralgischen Punkte zu kümmern. Da wären zunächst die Achselhöhlen, welche als erste gereinigt werden, in Anbetracht der Stellen, die auch auf der To-Do-Liste stehen. Nass machen, einschäumen, ausschäumen, abtrocknen, fertig – so einfach geht das. Ich empfehle übrigens Waschlappen, in die ich meine Hand hinein stecken kann…oder jemand anderes, fällt mir gerade ein, aber lassen wir das jetzt mal, das ist ein anderes Thema. Als nächstes wenden wir uns direkt dem nach unten verlängerten Rücken zu und verfahren genauso wie mit den Achselhöhlen. Anschließend trennen wir(oder jemand  anderes) sich von dem Waschlappen und geben ihn direkt in die Schmutzwäsche, so dass wir(oder jemand anderes) nicht versehentlich auf die Idee kommen, ihn vor einer gründlichen Reinigung nochmal zu verwenden. Wir brauchen ihn im Moment nicht mehr, sofern wir a) ein Mann sind und b) das Waschbecken nicht zu hoch hängt. Unumgänglich ist während des folgenden letzten Teils des Reinigungsrituals eine wohlausgewogene Wassertemperatur, 37°C sind genau richtig, und ausreichend Zeit und Hingabe, 20 Minuten sind sicherlich angemessen.

😀

Immer mal wieder apathisch

Vor 14 Tagen operiert, ausgeleierte Beinvene des rechten Beines auf ganzer Länge entfernt,

dann: eine Woche fortschreitende Genesung, gute Zeit, da kaum beeinträchtigt,

das heftige Echo dann ab Montag: zunehmende Wundschwellung, gesteigerte Empfindlichkeit, Austritt von Wundwasser,

in guten Momenten zwischendurch ‚Wundwassergelee, isotonisch und proteinreich‘ erfunden,

dann, vergangene Nacht: starke Schmerzen, kaum geschlafen, Ibu 800 eingeworfen, ferngesehen bis um 3:00, apathisch,

und heute morgen: Oberarzt erweitert mit Skalpell die Wunde, kein Eiter, keine Infektion, trotzdem Antibiotikum, Hausarzt schüttelt den Kopf, ich auch, und immer wieder apathisch, echt scheisse.

November

November, Totengräbers Freund,

der Blüten bleicht und Blätter bräunt,

bringst des Oktobers Werk zu Ende,

machst Schnotternasen, kalte Hände

 

und bescherst so manchem Haus

unerwartet Leichenschmaus.

Doch: wo wir schon beim Essen sind:

Du bietest auch, weiß jedes Kind,

 

kalorienreiche Sachen,

die Groß und Klein sehr glücklich machen.

Gebunkert im Vorweihnachtswahn – 

Stollen, Printen, Marzipan.

 

Spekulatius mag ich sehr.

Schwupp – schon ist die Packung leer.

Wir futtern und verdauen heiter,

und der Arsch wird immer breiter.

 

Ja, der Herbst hat viele Seiten,

gute wie auch schlechte Zeiten.

Was man am meisten an ihm liebt,

ist, wenns was zu essen gibt.