Die Osterkrippe

Heute morgen fiel mir eine Holzfigur eines Hasens auf, den meine Frau auf der Fensterbank platziert hatte. In ihrer Machart erinnerte sie mich frappierend an die bekannten Krippenfiguren, deren Namen man als Mann immer wieder so schnell vergisst. Nennen wir sie mal Alzheimer-Figuren, so vermeiden wir auch unnötige Werbung. Nun, ich betrachtete den Hasen, und vor meinem inneren Auge tat sich eine Szenerie mit zahlreichen klobigen und kleinkindgerechten Figuren – gut zu greifen und schlecht zu schlucken – auf, die in chronologischer Folge die Ostergeschichte erzählte – eine Osterkrippe!

Kein Mensch, keine Familie in ganz Deutschland besitzt eine Osterkrippe! Was für eine wunderschöne Tradition ist uns bis heute entgangen. Anstatt einmal im Jahr die Kinder bei schlechtem Wetter zum Eiersammeln rauszujagen, wird Ostern ab jetzt in der Guten Stube gefeiert, und zwar eine ganze Woche lang! Beginn am Samstag vor Palmsonntag: die Figuren werden aus dem Keller geholt und entstaubt, der Kalvarienberg aus Pappmaschee wird mit Moos, Steinen und Muscheln vom letzten Nordseeurlaub geschmückt. Dann, Palmsonntag, die Ouverture: ein Alzheimer-Esel trägt einen Alzheimer-Jesus durch das Stadttor von Jerusalem. Ihm folgen Alzheimer-Jünger, flankiert von palmzweigschwingenden Alzheimer-Begeisterten. Und so wie in der Weihnachtszeit die Heiligen Drei Könige jeden Tag etwas näher an den Stall heran rücken, bewegen sich Jesus und seine Gefolgsleute durch die Ostergeschichte und nähern sich unausweichlich schließlich der Kreuzigungsstätte. Welch eine unglaubliche Menge von Figuren man dafür benötigte! Die Holzschnitzer von Alzheim können sich schon mal für das kommende Jahr an’s Werk machen: benötigt werden Jesusse in verschiedenen Positionen, Pontius Pilatus, mehrere Hohepriester und Schriftgelehrte, Apostel und Jünger, jubelndes Volk, höhnendes Volk, Barnabas, ein Kreuz, 2 Verbrecher mit Kreuz, Soldaten, Maria, Maria Magdalena, ein Engel und und und…da tut sich ein Markt auf, dessen Umfang noch gar nicht abzusehen ist. Für Spassvögel unter den Osterkrippen-Fans könnten auch Brian oder seine Mutter angeboten werden.

Gleich am Dienstag setze ich ein Patent auf! 🙂

 

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Der Faraday’sche Käfer

Dieses wundersame Tierchen lässt sich nur selten und unter besonderen Umständen, die uns die unten stehende Dokumentation näher bringt, beobachten…

Influenzer

Letztens lernte ich ein neues Wort: Influenzer. Das ist nicht etwa jemand, der unabsichtlich, oder wie in meinem Fall wahrscheinlicher, absichtlich, da ich ja Apotheker bin, Grippeviren versprüht, um anschließend fiebersenkende Mittel zu verkaufen, sondern jemand, der Einfluss ausübt. Genau das heißt ‚influence‘: Einfluss. Früher hätte man Trendsetter gesagt, und davor, also zur Zeit unserer Vorväter und Vormütter, Vorbild. Nun, Influenzer sind Menschen, die Dinge, Stile und Erkenntnisse, die ihnen wichtig erscheinen, also zum Beispiel linksdrehende Lockenwickler oder die hippen rosa Blümchen auf ihrem Klopapier, fotografieren und in’s Netz stellen und hoffen, eine recht große Anhängerschar zu sammeln und in zahllosen bewundernden Kommentaren Huldigung zu erfahren.

Was andere können, kann ich auch, war mein erster Gedanke. Alle Welt sollte mich schön und mein Universum faszinierend finden, beschloss ich. Mit meinen umwerfenden Texten hatte ich einen Anfang gemacht, nun sollte auch mein Äußeres eine Wandlung erfahren, die mir die Aufmerksamkeit des weltweiten Netzes sichern würde. Der unscheinbare, wenn auch jung gebliebene Mann(siehe Titelfoto) sollte der Vergangenheit angehören….

Als erstes: Mut zur Asymmetrie – ich liess mir von einem geschickten Fachmann der Plastischen Chirurgie einen künstlichen Pickel auf die Stirn legen, wo er eindrucksvoll mit meiner frühesten Narbe interagiert, die ich mir auf meiner ersten Fahrt auf einem 26er-Rad zuzog und eine bleibende Erinnerung an die gemauerte Hofeinfahrt meiner Eltern darstellt. Eine kleine Warze seitlich der Stirn, die ich mir künstlich bis unter den Haaransatz erhöhen ließ(die Stirn, nicht die Warze!), ergänzt das Ensemble. Mehrere Infektionsversuche mit Warzenviren waren nötig, um sie genau an dieser Stelle zu platzieren und wachsen zu lassen.

Des weiteren ließ ich mir von dem schon oben erwähnten Fachmann das Gesicht senken, um trotz meines jugendlich-charmanten Erscheinens Alter, Reife und Würde auszustrahlen. Das anschließende Graben von Falten vervollkommnete die bereits erzielte Wirkung zu meiner höchsten Zufriedenheit, wie das untrige Bild eindrucksvoll beweist.

Abschließend liess ich meine Gesichtshaut bleichen. Bleiche Haut vermittelt den Eindruck von Zartheit und Empfindsamkeit, und genau diese Eigenheiten meines Wesens sollten deutlicher dargestellt werden. Das Ergebnis überzeugt, wie ich finde.

Ich bin sicher: meine Followerzahlen und Clicke werden bald in die Höhe schnellen und meine Popularität wird ungeahnte Ausmaße erreichen.

Lummerland

Alle Welt kennt Lummerland, obwohl es die wenigsten je besucht haben, jedenfalls niemand von den Leuten, die ich kenne. Und selbst, wenn ich dorthin wollte, hätte ich Schwierigkeiten, den Weg auf diese Insel – genau das ist Lummerland: eine Insel – zu finden. Sie ist zu klein und zu fiktiv, als dass sie auf einer Weltkarte zu finden wäre. Die Menschen auf dieser Insel scheinen alles in allem ein glückliches Leben zu führen, obwohl die Lebensumstände auf Lummerland nicht optimal zu sein scheinen. Als erstes verfügt die Insel über eine ausgesprochen ungünstige Topographie: die gesamte Fläche wird von 2 Bergen mit hohen Gipfeln eingenommen, flaches, bebaubares Land oder Ackerland stehen kaum zur Verfügung. Weiterhin unterhalten die Bewohner ein über alle Maßen überdimensioniertes Verkehrssystem auf gleichzeitig sehr niedrigem technischen Niveau: eine Eisenbahnstrecke, auf der ziellos eine Uraltdampflok ihre nutzlosen Kreise zieht. Die Strecke führt aufgrund der Topographie durch 5 Tunnel! Lummerland ist das einzige Land der Welt, in dem es genauso viele Tunnel wie Einwohner gibt – womit wir bei den soziologischen Problemen des Eilandes angekommen wären. Der Frauenanteil, bestehend aus Frau Waas, beträgt lediglich 20% der Einwohner. Genauso hoch ist auch der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund(Jim Knopf). Die zu erwartenden sozialen Spannungen scheinen erfreulicherweise bisher ausgeblieben zu sein, und das, obwohl die Lummerländer nicht frei wählen können, sondern eine Monarchie ertragen müssen. Der König beherrscht das Informationswesen total, er besitzt das einzige Telefon auf der Insel, welches zudem überflüssigerweise aus Gold ist. Das scheint aber niemanden zu stören. Die Menschen auf Lummerland sind offensichtlich glücklich. Es gibt keine Rassenunruhen, keine Geschlechterdiskriminierung, keine Revolution…manchmal möchte ich auch in einem fiktiven Land wohnen.

Übergewicht gegen Erderwärmung

Ja, ich gestehe: ich bin eitel. Und darum ist es für mich auch von Bedeutung, rank und schlank zu sein, sportlich zu wirken und meinem ästhetischen Empfinden zu genügen. Ich betone, dass es mich wenig stört, wenn andere Menschen dick sind, nur: ich möchte schlank sein.

Ich habe deshalb nach Silvester, als die Zeit des Großen Fressens vorbei war, begonnen, auf meine täglichen 1 bis 2 Stücke Kuchen und auf Süßigkeiten weitgehend zu verzichten, ich habe mich fettarm, aber gesund ernährt, und ich habe wieder mit dem Laufen begonnen. Ich wurde mit einem Gewichtsverlust von 5 kg in 4 Wochen belohnt. Die Eingeweihten, also ihr gleich, wissen, dass ich 185 cm groß und 57 Jahre alt bin. Wenn ich euch nun verrate, dass mein Gewicht von 86 kg auf 81 kg gefallen ist, werdet ihr euch womöglich an die Stirn tippen und denken, ‚jetzt spinnt er aber, der hat doch gar kein Übergewicht‘. Doch, das hatte ich, zumindest zu Silvester. Nichts desto trotz wachsen langsam Zweifel in mir, ob es richtig ist, abzunehmen, und(an dieser Stelle wird es langsam Zeit, die Ironieschaltkreise zu aktivieren) teuer erkaufte Fettreserven abzubauen. Denn: vergessen wir eines nicht: jedes Gramm Fett, welches wir verbrennen, ergibt eine gehörige Menge Kohlendioxid, welches ein Treibhausgas ist, wie wir alle wissen. Wenn also alle Menschen, die zu dick sind, abnehmen, tragen sie in nicht unerheblichem Maße zur Erderwärmung bei – so gesehen vielleicht gar nicht so schlecht, denn wer dünn ist, friert eher(ihr merkt, wir nähern uns der Stelle, an der auch  die Zynismusschaltkreise aktiviert werden sollten). 

Aus dem bisher gesagten ergibt sich die folgende Logik: wollen wir die Erde vor weiterer Erwärmung schützen, müssen wir alle zunehmen, und zwar kräftig. Wer mir nicht glaubt, möge sich bitte auf folgende Überschlagsrechnung einlassen.

Die Erde trägt zur Zeit 7 Milliarden Menschen. Nehmen wir an, jeder Mensch frisst sich 10 kg Übergewicht an. Hier gehen übrigens die Deutschen mit gutem Beispiel voran, die Avantgarde stellen allerdings die Amerikaner dar. Wir nehmen weiterhin an, dieses Übergewicht besteht aus reinem Fett, wodurch sich eine Gesamtfettmasse von 70 Milliarden kg ergibt, das entspricht 700 Millionen Tonnen. Diese haben, damit ihr es euch besser vorstellen könnt, ein ungefähres Volumen von 800 Millionen m³. Das entspricht einem Quader von 1000 m Länge, 1000 m Breite und 800 m Höhe und beträgt mehr als das Volumen der Müritz(737 Mill. m³), des größten Sees in Mecklenburg-Vorpommern. So weit so gut, könntet ihr denken, halt ein großer Fettklumpen, der irgendwo rumsteht, möglichst weitab der Zivilisation, sagen wir mal, im Emsland gleich hinter Lingen, und vor sich hin gammelt. Aber: jedes Kilogramm Fett entspricht einem bestimmten Äquivalent Kohlendioxid. Verbrenne ich es, wandelt es sich in das Treibhausgas um, setze ich es als Hüftgold an, bildet es sich letztendlich aus jenem. Und jetzt kommt’s richtig dicke! Aus 1 kg Fett entstehen durch Verbrennung 1.3 m³ reines Kohlendioxid, aus 1 Tonne Fett somit 1300 m³ und aus 700 Millionen Tonnen unglaubliche 910 Milliarden(!) m³ reines Kohlendioxid – oder bildlicher beschrieben: ein Würfel aus Kohlendioxidgas  mit einer Kantenlänge von 9700 Metern! Das entspricht bei einem atmosphärischen Gehalt von 0,04%(noch!) einem Atmosphärenwürfel mit einer Kantenlänge von 131,5 km(2,27 Billiarden m³)!!!

Alle oben genannten Zahlen sind fundiert und die Rechnungen nach meinem Ermessen recht ordentlich, immerhin hatte ich Mathe-Hochleistungskurs im Abi, wenn auch mit miserabler Abschlussnote. Die Devise muss also lauten: Fressen, fressen, fressen, was hineingeht! 10 kg Übergewicht sind ja nur die Basis der Berechnung, die Masse der Speckgürtel und Hüftpolster ist ja nach oben offen, da ist noch viel möglich, wie uns manche Mitmenschen erfolgreich demonstrieren.

Wie bei der bisherigen vergeblichen Suche nach dem optimalen Kohlendioxiddepot die Möglichkeit der Lagerung als Körperfett übersehen werden konnte, ist mir einigermaßen schleierhaft, aber noch ist es nicht zu spät!

©Martin Pierick

Rätsel

Frage: Was haben Sex und Bungee-Springen gemeinsam?

Damit die Antwort nicht sofort in’s Auge springt, habe ich sie von rechts nach links geschrieben!

!hcilrhäfeg immuG enho tsi sedieb :trowtnA

 

 

Körperliche Ertüchtigung

In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist, so heißt es, allerdings glaube ich, dass Leute, die sich sowas ausdenken, ganz besonders ungesunde Körper besitzen müssten, sollte dieser Spruch wahr sein, was er zum Glück nicht ist, wie uns viele Beispiele aus der Geschichte und unserem eigenen Umfeld beweisen. Jeder kennt doch zumindest einen Menschen, dessen geistige und körperliche Gesundheit in einem reziprok-proportionalen Verhältnis zueinander stehen.

Das hält mich aber nicht davon ab, trotz meiner (größtenteils unbestrittenen) allerbesten geistigen Gesundheit zugleich körperliche Fitness anzustreben. War diese Gabe in jungen Jahren ein selbstverständliches und wenig gewürdigtes Geschenk – junge Männer halten sich im allgemeinen für unsterblich – erfordert das fortschreitende Alter zunehmende Pflege abnehmender Körperfunktionen. Daraus ergibt sich ein sehr naheliegendes Problem: zunehmende Pflege verlangt zunehmenden zeitlichen Aufwand, doch diese Zeit steht mir nicht zur Verfügung. Ich befinde mich ja noch mitten im Arbeitsleben, habe eine Familie und Hobbies, die mit körperlicher Ertüchtigung soviel zu tun haben wie ein chinesischer Sack Reis mit dem Rattenfänger von Hameln, nämlich nichts.

Die Lösung dieses Problems ist unerwartet einfach: ich integriere sämtliche sportliche Übungen in den Alltag und schaffe dadurch eine sensationelle Win-Win-Situation, indem ich sowohl die Zeit als auch das Geld für die Nutzung der allerneuesten und gerade angesagtesten Fitnesstempel spare. Zusätzlich erspare ich mir auch nervtötende Leistungsabgleiche mit den anderen Olympioniken, deren fundierte Vorträge über Cerealien und Elektrolyte sowie das Austauschen von Handynummern mit den neuen, gerade an der Smoothie-Bar kennengelernten Freunde.

Der Möglichkeiten, seine Muskeln zu stählen und seine Geschicklichkeit zu verfeinern, ermangelt es im Haus und im Garten nicht. Dass ich selbstverständlich das Kaminholz nicht etwa mit einer Motorsäge, sondern im Schweiße meiner Achseln zersäge und daraufhin mit einer Spaltaxt zerlege, versteht sich von selbst und bedarf hier eigentlich keiner weiteren Erwähnung. Da wäre aber zum Beispiel die Möglichkeit, während des Zähneputzens diverse Schließmuskel anzuspannen und wieder zu lösen, und zwar in einem anderen Rhythmus als die Kniebeugen, die ich gleichzeitig vollführe, was der gesteuerten Koordination sehr förderlich ist. Auch meine Lungenfunktion hat sich deutlich verbessert, seitdem ich allmorgentlich mit bloßem Oberkörper bei Wind und Wetter am geöffneten Badezimmerfenster stehend stoßweise das Rasiermehl aus dem Rasierapparat blase. Verwehte die resultierende Staubwolke zu Beginn meiner Übungen noch über dem eigenen Grundstück, treibe ich sie mittlerweile weit über die Gehwegplatten und über die Hecke bis zum Nachbargrundstück, zumindest bei günstigem Wind. Mein Zwergfell ist mittlerweile so muskulös, dass ich damit Nüsse knacken könnte, selbst Paranüsse, fände jemand nur heraus, wie man ein Zwergfell zum Zupacken bringt.

Zusätzlich arbeite ich seit einigen Wochen intensiv an der Vervollkommnung meines Gleichgewichtssinnes. Während ich zuvor nach dem Duschen meine Füße auf einer Treppenstufe sitzend abgetrocknet habe, bin ich nun dazu übergegangen, selbiges auf einem Bein stehend zu erledigen, was zuerst eine recht wackelige Angelegenheit war. Mittlerweile bin ich so standfest, dass ich ab morgen früh auch die Zehenzwischenräume auf einem Bein stehend trocknen werde. Bis ich in selbiger Haltung den Nagelpilzlack aufzutragen in der Lage bin, wird aber wohl noch einige Zeit in’s Land gehen.