Es-ist-Zeit-Rap

Es ist viertel vor Liebling-ich-halt-es-nicht-mehr-aus,

es ist zehn vor Schatz-es-muss-endlich-raus,

es ist fünf vor manno-denk-doch-auch-an-mich,

es schlägt jeden Moment jaja-ich-liebe-dich.

 

Der Gong schlägt laut Leidenschaft-hoch-zwei.

Nein, ich hab mich verzählt, ich glaub, es ist wohl schon hoch-drei.

Der Zeiger meiner Uhr steht auf Zwölf-Uhr-acht.

Du sagst, oh, schon so spät. Mann, wer hätte das gedacht!

 

Das Ticken der Sekunden klingt in meinen Ohren.

Ich fange an zu kochen, doch du lässt mich schmoren.

Mein Kesseldruck steigt, ich geb mir alle Müh,

nicht zu explo……aah…Mist! Schon wieder zu früh.

(c) Martin Pierick

 

 

 

 

Biopiercing

Trends kommen und gehen, und es gibt wohl nur wenig peinlicheres, als einem Trend zu lange anzuhängen oder gar, sich ihm zu spät anzuschließen. Wer heute noch ein Arschgeweih zeigt oder es sich gar neu stechen lässt, sollte in sich gehen, ganz tief, und auch das Zurschaustellen von Ohrlöchern, in den Nymphensittiche turnen könnten, hat was vom Tragen einer Lederhose, und zwar vom Typ 60er-Jahre. Ja – damals trug ich sie gerne, sie waren unverwüstlich und wurden nicht dreckig, höchstens speckig, aber ihre Zeit ist nun mal um.

Der Sommer steht an, und ein neuer Trend muss her, einer, der so richtig fetzt, einer, den es wirklich noch nicht gab, kein Abklatsch von Vergangenem! Biopiercing ist das Stichwort und schwer im Kommen, noch sind es wenige, die Avantgarde, die sich dieser ungewöhnlichen und heiklen Leidenschaft hingeben, der Verschönerung des eigenen Leibes mit Schmuck-Zecken. Nein, es geht hier nicht um die Wald- und Wiesenzecke, um den Gemeinen Holzbock, wie sie auch genannt wird, sondern um die unübersehbare Vielzahl subtropischer und tropischer Zecken, oft sehr bunt und von z. T. beachtlicher bis hin zu erschreckender Größe. Nichts für Weicheier – die tragen Tattoos – sondern für wirklich harte Frauen und Männer.

Der Handel mit den zarten Tierchen läuft gerade an, die Preise sind horrende, geliefert werden sie in kleinen Glasphiolen. Diese werden entkorkt und sofort mit der Öffnung auf die auserwählte Körperstelle gedrückt, bis der hungrige Achtbeiner diese in Ermangelung von Bewegungsfreiheit akzeptiert hat und seinen Stechrüssel ansetzt, um mit dem mehrtägigen Mahl zu beginnen. Nach ausreichender Sättigung und Anschwellen auf ein Vielfaches der ursprünglichen Körpergröße – der Maximaldurchmesser beträgt bei einigen Arten 3 cm – kommen die leuchtenden Farben, die Muster und Streifen, die Behaarung und die wurmfortsatz-ähnlichen Anhängsel wunderbar zur Geltung.

Die beliebteste Art ist zur Zeit der Afrikanische Büffelbock, schwarz, haarig, gewaltig, er wird gerne im Nacken und am Hals getragen, gut sichtbar, auch im Umfeld der Brustwarzen fühlt er sich wohl.                                                                    Die Zebrazecke trägt ihren Namen aufgrund ihrer Zeichnung, nicht etwa, weil sie auf dem gleichnamigen Huftier zu hause wäre. Da Streifen bekanntlich schlank machen, wird sie gerne von adipösen Menschen getragen.                                            Der Australische Beutelbock besiedelt ursprünglich die Innenseite der Beutel weiblicher Kängurus, lässt sich aber auch problemlos in Bereichen des menschlichen Körpers ansiedeln, an denen es dauerhaft feucht und warm ist, wie z. B. unter den Achseln.

Das Tragen von Schmuck-Zecken bietet also eine große Vielfalt in Form und Farbe, die herkömmlichem Körperschmuck in nichts nachsteht, zumal einige Arten wie die Schamzecke, der Kamasutrazwicker und die Gepanzerte Nashornzecke erst am Beginn ihres mutmaßlich kometenhaften Popularitätsanstieges stehen. Der Begriff ’sich stechen lassen‘ wird in Zukunft ganz sicher einen Bedeutungswandel erfahren!

Die Osterkrippe

Heute morgen fiel mir eine Holzfigur eines Hasens auf, den meine Frau auf der Fensterbank platziert hatte. In ihrer Machart erinnerte sie mich frappierend an die bekannten Krippenfiguren, deren Namen man als Mann immer wieder so schnell vergisst. Nennen wir sie mal Alzheimer-Figuren, so vermeiden wir auch unnötige Werbung. Nun, ich betrachtete den Hasen, und vor meinem inneren Auge tat sich eine Szenerie mit zahlreichen klobigen und kleinkindgerechten Figuren – gut zu greifen und schlecht zu schlucken – auf, die in chronologischer Folge die Ostergeschichte erzählte – eine Osterkrippe!

Kein Mensch, keine Familie in ganz Deutschland besitzt eine Osterkrippe! Was für eine wunderschöne Tradition ist uns bis heute entgangen. Anstatt einmal im Jahr die Kinder bei schlechtem Wetter zum Eiersammeln rauszujagen, wird Ostern ab jetzt in der Guten Stube gefeiert, und zwar eine ganze Woche lang! Beginn am Samstag vor Palmsonntag: die Figuren werden aus dem Keller geholt und entstaubt, der Kalvarienberg aus Pappmaschee wird mit Moos, Steinen und Muscheln vom letzten Nordseeurlaub geschmückt. Dann, Palmsonntag, die Ouverture: ein Alzheimer-Esel trägt einen Alzheimer-Jesus durch das Stadttor von Jerusalem. Ihm folgen Alzheimer-Jünger, flankiert von palmzweigschwingenden Alzheimer-Begeisterten. Und so wie in der Weihnachtszeit die Heiligen Drei Könige jeden Tag etwas näher an den Stall heran rücken, bewegen sich Jesus und seine Gefolgsleute durch die Ostergeschichte und nähern sich unausweichlich schließlich der Kreuzigungsstätte. Welch eine unglaubliche Menge von Figuren man dafür benötigte! Die Holzschnitzer von Alzheim können sich schon mal für das kommende Jahr an’s Werk machen: benötigt werden Jesusse in verschiedenen Positionen, Pontius Pilatus, mehrere Hohepriester und Schriftgelehrte, Apostel und Jünger, jubelndes Volk, höhnendes Volk, Barnabas, ein Kreuz, 2 Verbrecher mit Kreuz, Soldaten, Maria, Maria Magdalena, ein Engel und und und…da tut sich ein Markt auf, dessen Umfang noch gar nicht abzusehen ist. Für Spassvögel unter den Osterkrippen-Fans könnten auch Brian oder seine Mutter angeboten werden.

Gleich am Dienstag setze ich ein Patent auf! 🙂

 

Lummerland

Alle Welt kennt Lummerland, obwohl es die wenigsten je besucht haben, jedenfalls niemand von den Leuten, die ich kenne. Und selbst, wenn ich dorthin wollte, hätte ich Schwierigkeiten, den Weg auf diese Insel – genau das ist Lummerland: eine Insel – zu finden. Sie ist zu klein und zu fiktiv, als dass sie auf einer Weltkarte zu finden wäre. Die Menschen auf dieser Insel scheinen alles in allem ein glückliches Leben zu führen, obwohl die Lebensumstände auf Lummerland nicht optimal zu sein scheinen. Als erstes verfügt die Insel über eine ausgesprochen ungünstige Topographie: die gesamte Fläche wird von 2 Bergen mit hohen Gipfeln eingenommen, flaches, bebaubares Land oder Ackerland stehen kaum zur Verfügung. Weiterhin unterhalten die Bewohner ein über alle Maßen überdimensioniertes Verkehrssystem auf gleichzeitig sehr niedrigem technischen Niveau: eine Eisenbahnstrecke, auf der ziellos eine Uraltdampflok ihre nutzlosen Kreise zieht. Die Strecke führt aufgrund der Topographie durch 5 Tunnel! Lummerland ist das einzige Land der Welt, in dem es genauso viele Tunnel wie Einwohner gibt – womit wir bei den soziologischen Problemen des Eilandes angekommen wären. Der Frauenanteil, bestehend aus Frau Waas, beträgt lediglich 20% der Einwohner. Genauso hoch ist auch der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund(Jim Knopf). Die zu erwartenden sozialen Spannungen scheinen erfreulicherweise bisher ausgeblieben zu sein, und das, obwohl die Lummerländer nicht frei wählen können, sondern eine Monarchie ertragen müssen. Der König beherrscht das Informationswesen total, er besitzt das einzige Telefon auf der Insel, welches zudem überflüssigerweise aus Gold ist. Das scheint aber niemanden zu stören. Die Menschen auf Lummerland sind offensichtlich glücklich. Es gibt keine Rassenunruhen, keine Geschlechterdiskriminierung, keine Revolution…manchmal möchte ich auch in einem fiktiven Land wohnen.

Übergewicht gegen Erderwärmung

Ja, ich gestehe: ich bin eitel. Und darum ist es für mich auch von Bedeutung, rank und schlank zu sein, sportlich zu wirken und meinem ästhetischen Empfinden zu genügen. Ich betone, dass es mich wenig stört, wenn andere Menschen dick sind, nur: ich möchte schlank sein.

Ich habe deshalb nach Silvester, als die Zeit des Großen Fressens vorbei war, begonnen, auf meine täglichen 1 bis 2 Stücke Kuchen und auf Süßigkeiten weitgehend zu verzichten, ich habe mich fettarm, aber gesund ernährt, und ich habe wieder mit dem Laufen begonnen. Ich wurde mit einem Gewichtsverlust von 5 kg in 4 Wochen belohnt. Die Eingeweihten, also ihr gleich, wissen, dass ich 185 cm groß und 57 Jahre alt bin. Wenn ich euch nun verrate, dass mein Gewicht von 86 kg auf 81 kg gefallen ist, werdet ihr euch womöglich an die Stirn tippen und denken, ‚jetzt spinnt er aber, der hat doch gar kein Übergewicht‘. Doch, das hatte ich, zumindest zu Silvester. Nichts desto trotz wachsen langsam Zweifel in mir, ob es richtig ist, abzunehmen, und(an dieser Stelle wird es langsam Zeit, die Ironieschaltkreise zu aktivieren) teuer erkaufte Fettreserven abzubauen. Denn: vergessen wir eines nicht: jedes Gramm Fett, welches wir verbrennen, ergibt eine gehörige Menge Kohlendioxid, welches ein Treibhausgas ist, wie wir alle wissen. Wenn also alle Menschen, die zu dick sind, abnehmen, tragen sie in nicht unerheblichem Maße zur Erderwärmung bei – so gesehen vielleicht gar nicht so schlecht, denn wer dünn ist, friert eher(ihr merkt, wir nähern uns der Stelle, an der auch  die Zynismusschaltkreise aktiviert werden sollten). 

Aus dem bisher gesagten ergibt sich die folgende Logik: wollen wir die Erde vor weiterer Erwärmung schützen, müssen wir alle zunehmen, und zwar kräftig. Wer mir nicht glaubt, möge sich bitte auf folgende Überschlagsrechnung einlassen.

Die Erde trägt zur Zeit 7 Milliarden Menschen. Nehmen wir an, jeder Mensch frisst sich 10 kg Übergewicht an. Hier gehen übrigens die Deutschen mit gutem Beispiel voran, die Avantgarde stellen allerdings die Amerikaner dar. Wir nehmen weiterhin an, dieses Übergewicht besteht aus reinem Fett, wodurch sich eine Gesamtfettmasse von 70 Milliarden kg ergibt, das entspricht 700 Millionen Tonnen. Diese haben, damit ihr es euch besser vorstellen könnt, ein ungefähres Volumen von 800 Millionen m³. Das entspricht einem Quader von 1000 m Länge, 1000 m Breite und 800 m Höhe und beträgt mehr als das Volumen der Müritz(737 Mill. m³), des größten Sees in Mecklenburg-Vorpommern. So weit so gut, könntet ihr denken, halt ein großer Fettklumpen, der irgendwo rumsteht, möglichst weitab der Zivilisation, sagen wir mal, im Emsland gleich hinter Lingen, und vor sich hin gammelt. Aber: jedes Kilogramm Fett entspricht einem bestimmten Äquivalent Kohlendioxid. Verbrenne ich es, wandelt es sich in das Treibhausgas um, setze ich es als Hüftgold an, bildet es sich letztendlich aus jenem. Und jetzt kommt’s richtig dicke! Aus 1 kg Fett entstehen durch Verbrennung 1.3 m³ reines Kohlendioxid, aus 1 Tonne Fett somit 1300 m³ und aus 700 Millionen Tonnen unglaubliche 910 Milliarden(!) m³ reines Kohlendioxid – oder bildlicher beschrieben: ein Würfel aus Kohlendioxidgas  mit einer Kantenlänge von 9700 Metern! Das entspricht bei einem atmosphärischen Gehalt von 0,04%(noch!) einem Atmosphärenwürfel mit einer Kantenlänge von 131,5 km(2,27 Billiarden m³)!!!

Alle oben genannten Zahlen sind fundiert und die Rechnungen nach meinem Ermessen recht ordentlich, immerhin hatte ich Mathe-Hochleistungskurs im Abi, wenn auch mit miserabler Abschlussnote. Die Devise muss also lauten: Fressen, fressen, fressen, was hineingeht! 10 kg Übergewicht sind ja nur die Basis der Berechnung, die Masse der Speckgürtel und Hüftpolster ist ja nach oben offen, da ist noch viel möglich, wie uns manche Mitmenschen erfolgreich demonstrieren.

Wie bei der bisherigen vergeblichen Suche nach dem optimalen Kohlendioxiddepot die Möglichkeit der Lagerung als Körperfett übersehen werden konnte, ist mir einigermaßen schleierhaft, aber noch ist es nicht zu spät!

©Martin Pierick

Rätsel

Frage: Was haben Sex und Bungee-Springen gemeinsam?

Damit die Antwort nicht sofort in’s Auge springt, habe ich sie von rechts nach links geschrieben!

!hcilrhäfeg immuG enho tsi sedieb :trowtnA

 

 

Körperliche Ertüchtigung

In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist, so heißt es, allerdings glaube ich, dass Leute, die sich sowas ausdenken, ganz besonders ungesunde Körper besitzen müssten, sollte dieser Spruch wahr sein, was er zum Glück nicht ist, wie uns viele Beispiele aus der Geschichte und unserem eigenen Umfeld beweisen. Jeder kennt doch zumindest einen Menschen, dessen geistige und körperliche Gesundheit in einem reziprok-proportionalen Verhältnis zueinander stehen.

Das hält mich aber nicht davon ab, trotz meiner (größtenteils unbestrittenen) allerbesten geistigen Gesundheit zugleich körperliche Fitness anzustreben. War diese Gabe in jungen Jahren ein selbstverständliches und wenig gewürdigtes Geschenk – junge Männer halten sich im allgemeinen für unsterblich – erfordert das fortschreitende Alter zunehmende Pflege abnehmender Körperfunktionen. Daraus ergibt sich ein sehr naheliegendes Problem: zunehmende Pflege verlangt zunehmenden zeitlichen Aufwand, doch diese Zeit steht mir nicht zur Verfügung. Ich befinde mich ja noch mitten im Arbeitsleben, habe eine Familie und Hobbies, die mit körperlicher Ertüchtigung soviel zu tun haben wie ein chinesischer Sack Reis mit dem Rattenfänger von Hameln, nämlich nichts.

Die Lösung dieses Problems ist unerwartet einfach: ich integriere sämtliche sportliche Übungen in den Alltag und schaffe dadurch eine sensationelle Win-Win-Situation, indem ich sowohl die Zeit als auch das Geld für die Nutzung der allerneuesten und gerade angesagtesten Fitnesstempel spare. Zusätzlich erspare ich mir auch nervtötende Leistungsabgleiche mit den anderen Olympioniken, deren fundierte Vorträge über Cerealien und Elektrolyte sowie das Austauschen von Handynummern mit den neuen, gerade an der Smoothie-Bar kennengelernten Freunde.

Der Möglichkeiten, seine Muskeln zu stählen und seine Geschicklichkeit zu verfeinern, ermangelt es im Haus und im Garten nicht. Dass ich selbstverständlich das Kaminholz nicht etwa mit einer Motorsäge, sondern im Schweiße meiner Achseln zersäge und daraufhin mit einer Spaltaxt zerlege, versteht sich von selbst und bedarf hier eigentlich keiner weiteren Erwähnung. Da wäre aber zum Beispiel die Möglichkeit, während des Zähneputzens diverse Schließmuskel anzuspannen und wieder zu lösen, und zwar in einem anderen Rhythmus als die Kniebeugen, die ich gleichzeitig vollführe, was der gesteuerten Koordination sehr förderlich ist. Auch meine Lungenfunktion hat sich deutlich verbessert, seitdem ich allmorgentlich mit bloßem Oberkörper bei Wind und Wetter am geöffneten Badezimmerfenster stehend stoßweise das Rasiermehl aus dem Rasierapparat blase. Verwehte die resultierende Staubwolke zu Beginn meiner Übungen noch über dem eigenen Grundstück, treibe ich sie mittlerweile weit über die Gehwegplatten und über die Hecke bis zum Nachbargrundstück, zumindest bei günstigem Wind. Mein Zwergfell ist mittlerweile so muskulös, dass ich damit Nüsse knacken könnte, selbst Paranüsse, fände jemand nur heraus, wie man ein Zwergfell zum Zupacken bringt.

Zusätzlich arbeite ich seit einigen Wochen intensiv an der Vervollkommnung meines Gleichgewichtssinnes. Während ich zuvor nach dem Duschen meine Füße auf einer Treppenstufe sitzend abgetrocknet habe, bin ich nun dazu übergegangen, selbiges auf einem Bein stehend zu erledigen, was zuerst eine recht wackelige Angelegenheit war. Mittlerweile bin ich so standfest, dass ich ab morgen früh auch die Zehenzwischenräume auf einem Bein stehend trocknen werde. Bis ich in selbiger Haltung den Nagelpilzlack aufzutragen in der Lage bin, wird aber wohl noch einige Zeit in’s Land gehen.

 

 

Zunehmende Feinstaubbelastung in Bielefelder Innenstadt

Die täglich am Jahnplatz stattfindenden Messungen des Feinstaubgehaltes der Luft bestätigen: wir atmen mehr und mehr Mikropartikel ein, die sich in unseren Lungen niederlassen und unsere Gesundheit beeinträchtigen. Rußpartikel aus Dieselmotoren und Kaminen, Abriebstäube von Bremsen und Straßenbelägen verbinden sich mit der derzeitigen feuchten Witterung zu einem schmierigen Gemenge, anstatt durch einen heftigen Regenguss aus der Luft gewaschen zu werden.

Die Schuldigen sind, wie immer, schnell gefunden – Autofahrer und Kaminliebhaber. Ein Verursacher jedoch blieb bisher unerkannt, getarnt durch sein unspektakuläres Erscheinungsbild und seine Allgegenwärtigkeit – das Rasiermehl. Sie wissen schon: diese leichte, pulvrige Substanz, die allmorgentlich von Millionen Männern durch das offene Badezimmerfenster aus den Rasierapparaten in den Wind geblasen wird. Dem Verursacher kam man auf die Spur, als man feststellte, dass es eine vermehrte Staubemissionen zwischen 6:00 und 6:45 gab, die auffallend mit einem leichten Anstieg des Stromverbrauches korrelierte. Nachmessungen ergaben einen deutlich erhöhten Keratingehalt in der Luft. Da die Friseurgeschäfte um diese Zeit noch geschlossen haben und aus dem Fenster geworfene Finger- und Fußnagelschnipsel aufgrund ihrer Größe nur unwesentlich zur gemessenen Feinstaubbelastung beitragen können, kam lediglich das Rasiermehl in Betracht.

Um die Staubbelastung der Luft zu verringern, könnte man nun den Rasierer im Waschbecken unter einem kräftigen Wasserstrahl reinigen – oder gleich zur Nassrasur übergehen, wie es uns viele Männer und Frauen schon vormachen. Doch Obacht! Die feinen Partikel sind gleich dem Mikroplastik äußerst beständig, sie gelangen über die Flüsse ins Meer, dort in den Fisch und somit auf unsere Teller. Um diesen Mikroinvasoren den Zugang zu unseren Lungen und Mägen zu verwehren, kann es nur einen Ausweg geben: wachsen lassen!

 

Der Zahn der Zeit…

…nagt an uns allen, leise. schleichend, aber unerbittlich. Das weiss ein jeder von uns, so recht wahrhaben wollen es die wenigsten. Ich bin da keine Ausnahme, bin ich doch der Meinung, von dem gleichen jungenhaften Gemüt besessen zu sein wie vor 35 Jahren. Was sollte anders sein als damals? Dass meine körperliche Fitness nicht mehr dieselbe ist wie in meinen jungen Jahren, wird mir in letzter Zeit aber immer häufiger vom Schicksal vor Augen gehalten. Natürlich bin ich dann zunächst erst mal nicht bereit, die Tatsache, nicht mehr Marathon laufen zu können, zu akzeptieren, ich müsste nur wieder mit dem Training beginnen, ganz vergessend, dass das mit einem Herzschrittmacher schwierig und mit Arthrose im Knie fast unmöglich ist. Als ich dann vor einigen Wochen auch noch mächtig Rückenschmerzen bekam, war ich so weit: ich wollte endlich beginnen, wieder etwas für meine Kondition und meinen Allgemeinzustand zu tun, angefangen mit Gewichtsreduktion und Gymnastik. Abspecken war kein Problem, weniger futtern und mehr bewegen, mehr braucht es dazu nicht. Mit 185 cm Größe wiege ich 82 – 83 kg, damit kann ich zufrieden sein. Aber Gymnastik….es gibt für mich nichts langweiligeres, als auf einer Matte zu liegen und mich durch die Übungen zu hangeln. Männersport braucht einen Ball, Körperkontakt, Blut, Schweiß und Tränen, aber mindestens! Mit anderen Worten: ich bekam es nicht hin, schob die guten Vorsätze immer weiter vor mir her, bis mir jemand empfahl, die Übungen in das alltägliche Leben zu integrieren.

Ich beschloß, mit dem Stehen auf einem Bein anzufangen. Ian Anderson macht das sein ganzes Leben lang und spielt dabei auch noch Querflöte, da sollte es mir doch möglich sein, zumindest die Zeit des Zähneputzens so zu verbringen. So weit, so gut: ich machte schnell Fortschritte, scheiterte allerdings daran, die Zahnbürste mit den Zehen zu halten und die Zähne durch gleichmäßige Fußbewegung zu reinigen. Ich benutzte also weiterhin meine Hände, erweitere die Übung aber durch einbeinständiges Fußabtrocknen nach dem Duschen, also nicht mehr auf der Treppe sitzend, wie zuvor. Verdammt knifflig, das sag ich euch! Noch schwieriger: das Trocknen der Zehenzwischenräume, das führt den Gleichgewichtssinn wirklich an seine Grenzen. Und was man da alles findet – das wollt ihr gar nicht wissen, glaube ich. Aber ich übe und übe, und wenn ich gut im Balancieren bin, werde ich mir, auf einem Bein stehend, die Zehennägel lackieren.