Pflanzenportrait: das Muschelblümchen

Niemand weiß, warum das Muschelblümchen in Deutschland nicht heimisch ist. Wie die meisten waldbewohnenden Pflanzen wurde es während der Eiszeiten östlich und westlich der vergletscherten Alpen nach Süden abgedrängt, um mit der Wiedererwärmung vor 11.000 Jahren den Weg zurück nach Norden anzutreten. Dabei blieb es aber, im Gegensatz zu anderen Pflanzen wie den Windröschen oder den Akeleien, mit denen es nahe verwandt ist, auf halbem Wege hängen. Vielleicht legt es gerade auch nur eine mehrtausendjährige Pause ein, um dann noch einmal richtig einen Zacken zu zu legen. Tatsache ist: es steckt im Moment in Frankreich einerseits und in Polen andererseits fest und kommt nicht voran.

Seine Blüten ähneln denen des Buschwindröschens, seine Blätter denen der Akelei. Die Pflanze wird etwa 20 cm hoch und gedeiht in Laubwäldern, im Garten also unter den Sträuchern, deren Laub man im Herbst an Ort und Stelle verrotten lassen sollte.

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Pflanzenportrait: Windröschen

Zu den schönsten und zugleich auch unkompliziertesten Frühjahrsboten gehören für mich die Windröschen, allen voran das allseits bekannte weißblühende Buschwindröschen, welches im März und April die Böden der Laubwälder oft großflächig bedeckt und uns mit seiner Blütenpracht erfreut. Auch blaue und rosafarbene Exemplare wurden schon gefunden. Weniger bekannt, aber mindestens genauso schön ist das leuchtend gelb blühende Gelbe Windröschen. Es wächst ebenfalls teppichbildend und bildet selten einen hellgelb blühenden Bastard mit dem Buschwindröschen. Der Name dieser Kreuzung lautet Leipziger Windröschen. Diese bilden besonders schnell Teppiche, da sie keine Samen produzieren und somit desto mehr Kraft in die Ausbildung von Rhizomen stecken können, mit denen sie sich unterirdisch ausbreiten.

Buschwindröschen, blaue Variante

 

Buschwindröschen, rosafarbene Variante

 

blaues Buschwindröschen zusammen mit Leipziger Windröschen

Neben den erwähnten Arten eignen sich auch das Große Windröschen und das Griechische Windröschen, von dem es weiße, rosafarbene und blaue Sorten gibt, als Zierpflanzen für unsere Gärten. Sie sind über den Handel leicht erhältlich und gedeihen am Plätzen, an denen sie sich ungestört ausbreiten können, wie zum Beispiel unter Sträuchern, deren Laub man im Herbst liegen lassen sollte, um den Bedingungen eines Waldbodens möglichst nahe zu kommen.

Griechisches Windröschen

Rosenzucht – auf ein neues!

Der März ist gekommen, der Frühling scharrt schon mit den Hufen, und die Samen, die den Winter in der Erde verschlafen haben, erwachen und recken sich der Sonne und der Wärme entgegen. Meine Aufmerksamkeit gilt momentan insbesondere den Rosensamen, die ich im vergangenen Herbst erntete und, wohl beschriftet, unter Sträuchern verborgen der Witterung überliess. Vor 2 Wochen bekamen sie einen warmen Platz auf der Fensterbank, was sie mir mit prompter Keimung dankten.

2 Zuchtlinien, sorgsam getrennt und gekennzeichnet

Die Ausbeute war überwältigend, fast alle Keimlinge gediehen und gedeihen noch, nachdem ich sie vereinzelt habe, bevor ihre Wurzeln einen untrennbaren Filz flechten und sie sich gegenseitig ersticken.

Rosensämlinge sind leicht zu erkennen-

Natürlich habe ich nicht beliebige Rosensamen gesät, sondern gezielt gezüchtet, also die Pollen einer Rosenart auf die Blütennarbe einer anderen Rosenart aufgetragen. Als Mutterpflanze wählte ich die Immergrüne Rose, Rosa sempervirens, da ihre Samen sehr keimfreudig sind und außerdem die Blüten so herrlich einfach vom Badezimmerfenster aus zu erreichen sind.

Rosa sempervirens – die Immergrüne Rose
Sie stammt aus mediterranen Gefilden, in diesem Fall aus der Toscana, wo sie häufig an Wald- und Wegrändern zu finden ist.

Als Pollenlieferant und somit Vaterpflanze wählte ich zum einen ‚Rosa Melli‘, bei der es sich um einen kletternden Findling aus unserem Garten handelt. Ihr werdet sie bei Google nicht finden, da der Name nur in unserer Familie bekannt und gebräuchlich ist. Sie ist ja keine anerkannte und gemeldete Sorte, sondern wächst ausschließlich in unserem Garten.

Rosa ‚Melli‘ – ein Findelkind

Zum anderen Pollenlieferanten erkor ich den Rambler ‚Rosa Wüstling‘. Sie stellt sicherlich eine anerkannte Sorte dar, schließlich zog ich sie aus einem geklauten Ableger, ich kenne aber ihren korrekten Namen nicht. Was blieb mir also übrig als mir einen Namen auszudenken – Wüstling deshalb, weil sie fürchterlich wuchert und zudem fiese Dornen hat. Sie könnte ohne weiteres den Stacheldraht überflüssig machen.

Rosa ‚Wüstling‘

Selbstverständlich habe ich bei der Übertragung der Pollen größten Wert darauf gelegt, eine Fremdbestäubung durch Bienen oder den Wind auszuschließen. Die Blütenblätter und Staubgefäße der Knospen der Mutterpflanze habe ich mit einer Nagelschere entfernt, die befruchteten Blüten anschließend mit beschrifteten Kunststofftütchen umhüllt.

Und nun heißt es geduldig sein und warten…welche Eigenschaften der Elternpflanzen werden sich durchsetzen? Die Blütenfarbe, das Wuchsverhalten, die Resistenz gegen Krankheiten…mein größtes Problem ist nicht meine Geduld, sondern mein Mangel an Platz, für so viele Rosen. 🙂

Seltsame Blüten…

…treibt Mutter Natur, wie ich gestern wieder einmal freudig verwundert feststellen durfte. Eine von mehreren jungen Clematispflanzen, welche erst in diesem Frühjahr keimten und die wahrscheinlich einem meiner Kreuzungsversuche(Clematis armandii x Clematis alpina(korrigiert: vorher stand hier ‚montana‘, das war nicht korrekt)) entstammen, hat eine einzelne Knospe angesetzt, die sich gestern zur Blüte öffnete. Die Blüte ist ungewöhnlich klein, kleiner noch als die Blüten von Clematis vitalba, der häufigen und einheimischen Waldrebe. Die Blüte gleicht sehr jener von Clematis recta, der aufrechten Waldrebe, allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, diese ausgesät zu haben. Zuzutrauen wäre mir allerdings schon, dass ich bei einem Besuch eines Botanischen Gartens an ein paar Samen gelangt wäre…Ob nun diese Blüte sortenbedingt oder aufgrund der geringen Größe der Pflanze so klein ist, weiß ich nicht – die kommenden Jahre werden mir die Antwort geben, wenn die 4 von mir ausgepflanzten Exemplare größer und kräftiger werden und hoffentlich zahlreiche Blüten hervor bringen. Sie dürfen gerne klein sein, hübsch sind sie allemal.

Die Pflanzen zeigen noch eine weitere Auffälligkeit. Die ersten 10 – 12 Blätter sind lanzettförmig wie bei Cl. armandii, die späteren Blätter jedoch geteilt, wie man es von den meisten Clematisarten kennt. Dieses Merkmal ist auf dem unten stehenden Bild zu erkennen.

 

Rosenzucht(VII)

Voller Stolz möchte ich euch heute meine ‚Babies‘ präsentieren. Noch sind sie klein und zart, blühen werden sie frühestens im folgenden Jahr. Meine eingefleischtesten Folger werden sich an meine Rosenzuchtberichte III, IV, V und VI erinnern, die Interessierten unter euch können dort haarklein nachlesen, wie ich mein Zuchtprogramm durchgeführt habe.

Bild oben und unten: eine Kreuzung aus der Immergrünen Rose(Rosa sempervirens) und der Kartoffelrose(Rosa rugosa), welche die Pollen lieferte. Die gewellten Blätter und die feine massive Bestachelung stammen von letzterer. In dem Schneckenhaus steckt das Etikett.

Bild oben und unten: mutmaßlich eine Kreuzung zwischen Immergrüner Rose(Rosa sempervirens) und der Mai- oder Zimtrose(Rosa majalis). Den entgültigen Beweis dürfte die erste Blüte liefern. Hach, bin ich gespannt!

Oh Drosophila

Wenn Sonnenstrahlen sie erwärmen,

die gerne über Fallobst schwärmen

und tanzen über Komposthaufen,

um den Rand des Weinglas‘ laufen,

rufen alle, fern und nah:

‚Drosophila – der Herbst ist da!‘

 

 

Paula und Paul

Unsere beiden Schwarzdrosseln haben erfolgreich zwei(Oder mehr? Wir wissen es nicht, das Nest war so gut im Efeu versteckt, dass wir es nicht einsehen konnten.) Junge groß gezogen. Die Halbwüchsigen verstecken sich erfolgreich in den Dickichten in unserem Garten, so dass sie vor den umherstreifenden Elstern relativ sicher sind. Beim leisesten Krächzen sind Paula und Paul sofort alarmiert und beziehen Position in einem der Nachbarkirschbäume. Paul hat übrigens, entgegen meiner Mutmaßung in ‚Paula‘ vom 10. April, fleißig Schnecken und Würmer gesammelt und die Nestlinge gefüttert, sich zwischendurch aber auch immer wieder eine Auszeit gegönnt und sie mit melodiösem Gesang auf dem Hausdach verbracht.

Die Nähe des Nests zu unserer Terasse und unsere Allgegenwärtigkeit in dem kleinen Reihenhausgarten hat nun zu einem interessanten Verhalten der Drosseln geführt: sie sind fast zahm. Man hat den subjektiven Eindruck, sie würden uns erkennen, und sie haben sehr schnell gelernt, dass von uns keine Gefahr ausgeht und dass die Brotkrümel, die wir nach dem Frühstück auf den Rasen werfen, eine leckere Erweiterung des üblichen Speiseplans darstellen. Mittlerweile kommen sie angeflogen, wenn man den Garten betritt, und wenn man sich still verhält oder gemächlich geht, nähern sie sich bis auf wenige Schritte. Die Fotos entstanden aus einer Entfernung von 1,5 Metern!