Baumgedichte – Gedichte in Bäumen

Ich habe endlich einen Weg gefunden, meine Gedichte einem größeren Publikum näher zu bringen, abgesehen von dieser Plattform. Nein, ich habe keine Lesung veranstaltet, und ich habe auch nicht den Traum eines jeden Dichters, eine Veröffentlichung, erfüllt bekommen. Ich habe mir eine eigene Plattform geschaffen. Ich hänge sie in Bäume. Natürlich hänge ich sie nicht in 22 Meter Höhe in den Teutoburger Wald, wo nur selten jemand vorbeikommt, der gleichzeitig ein sehr gutes Zeiss-Glas mit sich führt, um die Texte vom Waldboden aus zu studieren. Ich bin nämlich schlau. Ich habe sie in Alleebäume gehängt, die einen sehr schönen und häufig begangenen Grünzug im Bielefelder Osten säumen. Obwohl der Bielefelder Osten, in dem auch ich lebe, von einem nicht unerheblichen Anteil Menschen bewohnt wird, die der eine oder andere vielleicht hinter vorgehaltener Hand als bildungsfern bezeichnen würde, bin ich doch voll guter Hoffnung, dass sich immer mal jemand erbarmt und vor den Bäumen, an denen meine Gedichte in 2,5 Meter Höhe hängen, stehen bleibt und sie ergriffen verinnerlicht.

Heute Abend schritt ich zur Tat. 2 Gedichte, fett gedruckt im DinA4-Format und laminiert, hängen mit Hilfe einer Drahtöse(lies Draht-Öse) an dünnen Ästen. Die offene Öse ist mit einem Widerhaken gesichert und kann nur manuell wieder vom Ast gelöst werden. Platziert habe ich die Konstruktion mit Hilfe eines langen Bambusstabes, der einerseits mit einer Gabel versehen ist, um die Öse über den Ast zu heben, andererseits mit einem seitlichen Haken versehen ist, um die Öse nach unten über den Ast zu ziehen.

Die Texte sind vom Boden aus ohne Hilfsmittel unerreichbar, aber doch lesbar. Niemand wird gezwungen, sich mit ihnen zu beschäftigen, und gleichzeitig sind sie jedem Menschen frei zugänglich. Ich fahre diesen Weg täglich zur Arbeit und bin ganz gespannt, ob ich irgend eine Resonanz erleben werde.

 

Wenn ich nur ein Bienchen wär…

Wenn ich nur ein Bienchen wär,

wär das Leben halb so schwer.

Würd‘ auf der Wabe Muster laufen,

jeden Abend Nektar saufen,

durch den Sommerhimmel gleiten,

auf Kamilleblüten reiten,

wäre glücklich und hätt‘ nie

eine Pollenallergie.

Ach, was wär das Leben fein,

könnt ich nur ein Bienchen sein!

©m.p.

Liebesgedicht

Kantig und hart wie ein Kristall
bist du und brichst
mein Licht in tausend Farben.
Geschmeidig und weich wie Samt
bist du, Schwarzer Samt –
mein Licht versinkt in dir.
Glühend und rot wie Kohle
bist du und entfachst
meine Leidenschaft zu heißem Feuer.
Klar und rein wie Sternenlicht
bist du und bringst
mein Firmament zu hellem Strahlen.
©m.p.

Die Seifenblase

Im Sommerwind, vor meiner Nase,

schwebt eine große Seifenblase.

Kinderatem, eingefangen,

aus kleinem Mund und runden Wangen.

Schillernd fließen ihre Farben,

widerspiegeln Weizengarben,

blauen Himmel, roten Mohn,

mein Gesicht – da kommt sie schon

ganz nah zu mir und meiner Nase.

Wunderbare Seifenblase!

‚Ruh dich auf meinem Zinken aus‘

Berührt ihn kaum und – aus die Maus!

©m.p.

Oh Barbara

Oh Barbara,

 schön war sie, bar jeden Bartwuchses!

 Abraxasschwarze Augen!

 Schön wie eine Baccara-Rose, jedoch…

 Ohren wie Rhabarberblätter.

 Oh, Barbara!

 

 Doch Barrabas, der Bruder von Barnabas,

 Bartträger  und Contrabassist beim Barras,

 liebte sie barbarisch,

vor allem barbusig.

 

 Die Jahre in Arras, dann Brabant,

 später dann Barkeeper und Garant

 für Bares in Barnabas’  Barracuda-Bar,

 dann bar jeder Arbeit,

 jedoch glücklich mit Barbara!

Es-ist-Zeit-Rap

Es ist viertel vor Liebling-ich-halt-es-nicht-mehr-aus,

es ist zehn vor Schatz-es-muss-endlich-raus,

es ist fünf vor manno-denk-doch-auch-an-mich,

es schlägt jeden Moment jaja-ich-liebe-dich.

 

Der Gong schlägt laut Leidenschaft-hoch-zwei.

Nein, ich hab mich verzählt, ich glaub, es ist wohl schon hoch-drei.

Der Zeiger meiner Uhr steht auf Zwölf-Uhr-acht.

Du sagst, oh, schon so spät. Mann, wer hätte das gedacht!

 

Das Ticken der Sekunden klingt in meinen Ohren.

Ich fange an zu kochen, doch du lässt mich schmoren.

Mein Kesseldruck steigt, ich geb mir alle Müh,

nicht zu explo……aah…Mist! Schon wieder zu früh.

(c) Martin Pierick

 

 

 

 

Oh Drosophila

Wenn Sonnenstrahlen sie erwärmen,

die gerne über Fallobst schwärmen

und tanzen über Komposthaufen,

um den Rand des Weinglas‘ laufen,

rufen alle, fern und nah:

‚Drosophila – der Herbst ist da!‘

 

 

Ozean aus Licht

ich kleb am Grund

schattenumflutet

seelenwund

mein Herz verblutet

alles zerbricht

und über mir

ein Ozean aus Licht

 

ich schaue auf

kann mich nicht rühren

du rufst ‚lauf!’

doch… du musst mich führen

so schweres Gewicht

und über mir

ein Ozean aus Licht

 

mit Tränen der Wut

spülst du mich frei

salzige Flut

es ist vorbei

ich seh dein Gesicht

und um uns

ein Ozean aus Licht

 

Musenkuss

Und nun ein frühes Machwerk von mir… 🙂

Küsst mich die Muse auf den Mund,

tu‘ ich feinste Lyrik kund.

Küsst sie mich aber auf die Fresse,

dichte ich, als hieß‘ ich Hesse.

Küsst sie jedoch mir den Steiß,

kommt dabei heraus nur ……

Ach, wisst ihr was? Gedichte müssen sich gar nicht immer reimen.

©mp