Die Mispel

Der Spätherbst macht es sich gemütlich und hat bereits ein Schwätzchen mit dem nahenden Winter gehalten. Die Obsternte ist abgeschlossen, nur im nachbarlichen Apfelbaum pickt eine Elster neugierig an einem vergessenen und angefaulten Apfel. Vorgestern beobachtete ich, ebenfalls vis-a-vis, 4 Dompfaffen, welche sich mit der ihnen eigenen Ruhe und Beschaulichkeit den Ebereschenfrüchten widmeten. Die sich gerade ebenfalls im Apfelbaum einfindende Drossel hätte sicherlich auch reges Interesse für die Mispelfrüchte in unserem Garten gezeigt, hätte ich sie nicht vor 3 Wochen rechtzeitig geerntet. Mispel…hat man ja schon mal irgendwo gehört…Gedicht? Kinderlied? Sind das nicht die Dinger, die Miraculix für den Zaubertrank benötigt? Nein, die heißen Misteln…eine zweite Drossel hat sich gerade eingefunden, die Elster hat das Weite gesucht, hat mich wohl bemerkt. Also: die Mispel ist eine Frucht, die der Laie nicht recht einzuschätzen vermag. Sie erinnert entfernt an einen Apfel oder eine runde Birne, ist aber deutlich kleiner. Sie reift auf Sträuchern oder kleinen Bäumen, welche bedornt sein können und eine schöne Herbstfärbung tragen. Die Blüten sind groß und weiß, sie erscheinen nach den Blättern.

Die Färbung des Herbstlaubes reicht über gelb und braun bis hin zu rot, die Früchte verweilen bis in den November hinein an den Zweigen.

Traut man sich, vorsichtig in eine frisch gepflückte Frucht zu beißen, tritt zuerst Überraschung, anschließend Enttäuschung ein – ersteres, weil sie extrem hart ist, zweiteres, weil sie extrem herb schmeckt. Der Trick ist, eine Mispel erst dann zu kosten, wenn sie aussiehst, als würde sich die Biotonne schon nach ihr die Lippen lecken, hätte sie nur welche. Mit anderen Worten: die Früchte müssen mürbe sein. Sie werden nach einigen Tagen müßigen Herumliegens(so wie ich gerade, haha) schmackhaft, weich und noch unansehnlicher, als sie sowieso schon sind. Diesen Moment sollte man nutzen, sie werden nicht besser. Sie schmecken etwa wie eine nicht allzu alte Druckstelle eines Apfels, immerhin. Sie enthalten 5 sehr harte Kerne, die auf ihre tatsächliche Verwandschaft verweisen. Es handelt sich um die Weißdorne, mit denen sie sich sogar kreuzen lassen.