Gärtnerische Misserfolge

Jeder Gartenbesitzer hat es schon erlebt: kaum hat man sich endlich überwunden und viel Geld für eine neue und seltene Staude ausgegeben, welche die Nachbarn garantiert noch nicht gepflanzt haben,und welche, glaubt man den Versprechungen des Staudenfachverkäufers, völlig unkompliziert sei, geht das gute Stück ein, wird von Schnecken gefressen oder bleibt im kommenden Frühling verschollen. Es macht also durchaus Sinn, auf Bewährtes zu vertrauen, während man aber gleichzeitig auch nicht auf Experimente verzichten sollte. Die Liste der Pflanzen, die es in unserem Garten nicht geschafft haben, ist schmerzlich lang. Es gab z. B. diverse Pfirsichbäumchen und ein Aprikosenbäumchen, welche ich selber liebevoll gezogen hatte, was sie aber nicht davon abhielt, an diversen Krankheiten zu leiden und schließlich einzugehen. An den Feuerbrand verlor ich eine stattliche Chinesische Scheinquitte, nicht zu verwechseln mit der Japanischen Zierquitte! 

Die Chinesische Scheinquitte(Pseudocydonia sinensis)

3 wunderschön blühende Rosen, von mir aus Samen gezogen, verblichen, bevor ich ihnen einen Namen geben konnte, direkt nach der ersten Blüte also. Wirklich bitter!

Unbenannte Rose, Blütendurchmesser lediglich 3 cm

Die oben abgebildete Rose war etwas ganz besonderes, da ihre Blüten nicht größer als die einer Brombeere waren. Ich darf gar nicht daran denken, wie umwerfend schön sie als ausgewachsener Rosenbusch ausgesehen hätte. Die viel zu frühe Blüte raubte ihr wohl die Kraft, sich gesund zu entwickeln. Vielleicht ist es sinnvoll, die erste Blütenknospe zu entfernen, aber, verdammt nochmal, die Neugierde ist dann doch meistens zu groß!

Auch diesen beiden Schönheiten war kein langes Leben beschert.

 

Advertisements

Zierapfel, eigene Zucht

Wieder einmal zeigt sich mir, wie lohnend es sein kann, etwas auszuprobieren und Geduld zu haben.

Heute darf ich euch voller Freude und Stolz nicht meine erste, aber meine bisher schönste selbst gezüchtete Apfelsorte vorstellen. Das Bäumchen, welches straff aufrecht wächst und in 5 oder 6 Jahren eine Höhe von über 3 Metern erreicht hat, entstammt einem Samen eines rotlaubigen und rosablühenden Zierapfelbaumes. Meine Pflanze zeigt grünes Laub, welches sehr schön mit dem rötlichem Austrieb kontrastiert. Meine Begeisterung kannte keine Grenzen, als sich heute morgen die ersten, von mir bis dahin übersehenen Blütenknospen öffneten! Ich habe noch nie einen grünlaubigen Apfelbaum mit so kräftig rosafarbenen Blüten gesehen.

In diesem Jahr hat erst ein Zweig Blüten angesetzt, für das folgende Jahr rechne ich mit einer unbeschreiblichen Pracht. Was für eine Farbe! Die zu erwartenden Äpfel werden klein und ungenießbar sein, aber vielleicht im Herbst weitere farbliche Akzente setzen.

Tiere im Garten

Die tierischen Bewohner vieler Gärten können sich glücklich schätzen, wenn sie 2 oder 4 Beine haben, denn dann gehören sie mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zu den beiden Tiergruppen, welche sich allgemeiner Sympathie menschlicherseits erfreuen – Vögel und Säugetiere. Es gelingt ihnen mehr oder weniger gut, dem Kindchenschema zu entsprechen und uns ein ‚oh, wie süß‘ zu entlocken, wenn es sich nicht gerade um eine Ratte handelt. Ratten sind schlau, aber nicht schlau genug, sich einen buschigen Schwanz anzukleben. Dann könnten sie als bodenbewohnendes Eichhörnchen durchgehen und wären prompt vor Verfolgung sicher.

Eine Waldmaus oder eine Gelbhalsmaus? Sie sind oft kaum zu unterscheiden.

Als Vogel oder Säugetier reicht es im allgemeinen, ein rundes Köpfchen wie eine Kohlmeise zu haben oder schön singen zu können, oder ein weiches Fell und große runde Knopfaugen wie eine Maus zu haben, um unserer Zuneigung sicher zu sein. Nur der Igel macht eine Ausnahme: er hat weder ein weiches Fell noch kann er schön singen und ist doch trotzdem ein gern gesehener Gast im Garten. Der Grund dafür: er vertilgt mit Vorliebe jene Tiergruppen, welche überhaupt keine Beine haben und aus diesem Grund eine leichte Beute für ihn sind – Würmer und Schnecken. Vor allem letztere konkurrieren mit dem Mehltau und der Blattlaus um den zweifelhaften Ruhm, der übelste Schädling im Garten zu sein.

Die Gefleckte Weinbergschnecke

Dabei vergessen die Menschen, daß Schnecken sich in erheblichem Maße totes Material einverleiben und es in Form ihres Kotes den verbliebenen Pflanzen als Dünger wieder zur Verfügung stellen. In unserem Garten gibt es natürlich Fraßschäden durch Schnecken, jedoch keine Monokulturen, so daß der Weg von Delikatesse zu Delikatesse weit und umständlich ist und daher auch Totalausfälle unter den Pflanzen eine Ausnahme sind.

männliche Blauflügel-Prachtlibelle

Der unsrige und die nachbarlichen Gärten bilden einen bunten Flickenteppich verschiedenster Biotope, welche einer Vielzahl von Insekten Heim und Nahrung bieten. Diese Gruppe ist mit Abstand die vielfältigste – alle Käfer, Fliegen, Bienen, Ameisen, Wespen, Schmetterlinge, Libellen gehören dazu, um nur die bekanntesten und buntesten zu nennen. Es lohnt sich, ein paar Minuten still zu verharren und zu beobachten, welche Arten beispielsweise dem Bienenhotel oder einer duftenden Blütendolde einen Besuch abstatten. Die Vielfalt ist vewirrend, das Bestimmen der einzelnen Arten für einen Laien oft unmöglich. Macht aber nichts: man kann sich auch an den Formen und Farben eines Lebewesens erfreuen, ohne seinen Namen zu kennen.

                          Eine Goldwespe am Bienenhotel

Alles, was den Namen Biene oder Wespe trägt, wird mit kritischen Augen betrachtet. Es könnte ja möglicherweise stechen, wenn man danach schlägt…Tatsache ist, daß die meisten dieser Tiere harmlos sind und nur die großen Exemplare die menschliche Haut mit ihrem Stachel durchdringen können und das auch nur tun, wenn sie bedrängt werden.

Hornissenkönigin auf Wohnungssuche

Der möglichen Gefahr, gestochen zu werden, sollte man den unglaublichen Nutzen gegenüber stellen, der sowohl von Bienen als auch von Wespen ausgeht. Erstere leisten eine Befruchtungsarbeit, deren Wert kaum zu ermessen ist, letzere vertilgen Unmengen an Insekten und deren Larven, welche unsere Nutzpflanzen gerne unerbeten mit uns teilen würden.

Die beliebtesten Insekten sind wohl die Schmetterlinge, sofern sie das Raupenstadium hinter sich gebracht haben. Erst dann genießen sie unsere uneingeschrängte Sympathie.

ein Bläuling

Als Raupe hingegen gerät man schnell in den Ruf, einer geliebten Pflanze den Garaus machen zu wollen, auch wenn man noch so bunt daher kommt.

die Raupe des Labkrautschwärmers

Rosenzucht(VI) – Zwischenbericht

Diesen Zwischenbericht schreibe ich wirklich mit großer Freude. Natürlich erinnert ihr euch nicht mehr: im vergangenen Sommer habe ich euch mein Rosenzuchtprogramm vorgestellt und begleiten lassen. Und nun lugen vorsichtig 8 kleine Sämlinge aus der Anzuchterde: 7 Immergrüne Rose x Kartoffelrose und 1 Immergrüne Rose x Zimtrose! HOFFENTLICH gibt’s keinen Starkregen, Sonnenbrand, Pilzbefall, Schneckenfraß oder Meteoriteneinschlag! Wie werden wohl die Rosen wachsen, wenn sie groß sind? Werden sie gesund sein? Wie werden sie blühen? Werden sie klettern oder werden sie buschig wachsen, oder beides zugleich – buschig klettern? Hach, ich bin ja so gespannt!

Pflanzenportrait: Waldsauerklee

Der Waldsauerklee ist eine so häufige und im Frühjahr in vielen Gegenden so allgegenwärtige Pflanze, daß sein Liebreiz von vielen Menschen kaum wahrgenommen wird. Auch kommen die wenigsten auf die Idee, er könne als zierende Gartenpflanze taugen. Wer es aber gerne zart und zierlich mag und zugleich nach einer Pflanze sucht, die auch tiefsten Schatten auf magerem Grund erträgt, sollte sich die folgenden Bilder betrachten. Sie stellen 3 verschiedene Sorten des Waldsauerklees dar, welche ich bisher im Teutoburger Wald gefunden habe.

                                                weiße, allgegenwärtige Sorte

sehr schön: die violette Äderung

                                                        die seltenere rosafarbene Sorte

das Highlight: tiefrosa mit hellem Auge, erst einmal gefunden

Waldsauerklee breitet sich nur langsam und wenig invasiv aus, gedeiht auch im Schatten unter Sträuchern und ist absolut winterhart. Ich finde ihn bezaubernd.

Pflanzenportrait: Immergrüne Waldrebe

Ein noch weitgehend unbekanntes und nur selten gepflanztes Gehölz möchte ich euch heute vorstellen: die Immergrüne Waldrebe oder Clematis armandii. Sie berankt üppig alle sich dazu anbietenden Kletterhilfen, gerne in geschützter Lage. Den vergangenen strengen Winter hat sie auf unserer überdachten Terrasse sehr gut überstanden. Sie gehört zu den am frühesten blühenden Waldreben, das Foto stammt vom 13. April 2018. In guten Gärtnereien werden sie teuer angeboten(über 20 Euro), mein Exemplar habe ich selber aus einem ‚beiseitegefundenen‘ Ableger, den ich zum Wurzeln brachte, gezogen. Es lohnt sich wirklich, solche Vermehrungsexperimente durchzuführen. Man spart viel Geld und hat Freude am Erfolg, gleichzeitig lernt man dabei, Misserfolge zu ertragen. 🙂 Die Blüten duften nach Weißdorn, wie in den Katalogen blumig umschrieben wird, was nichts anderes bedeutet, als dass der Duft eine eher muffige Note hat. Das immergrüne üppige Laub ist natürlich besonders in der kalten Jahreszeit attraktiv.

Die abgebildete Pflanze ist jetzt 2einhalb Jahre alt und bildet zur Zeit mehrere lange Triebe, die ich durch das Gitter flechten werde. Sie wird sehr bald buschig werden und bestimmt in den nächsten Jahren überreich blühen.

Paula

Paula ist fleißig, sehr fleißig sogar. Unermüdlich arbeitet sie seit Tagen an der Verschönerung ihres Heimes. Es soll ihr und ihren Kindern Schutz und Geborgenheit schenken. Paula gönnt sich keine Pause, rastlos werkelt sie hier, stopft dort, begutachtet zwischendurch immer wieder kritisch ihr Werk. Manchmal schaut sie mich fragend an. Ich verstehe ihre Sprache nicht und sie mutmaßlich nicht die meinige, aber ich rede ihr gut zu, bestätige sie in ihrem Schaffensdrang. Sie lauscht meinen Worten, scheint zu verstehen, stürzt sich wieder auf ihre Arbeit. Paula ist dunkel, fast schwarz, so wie alle ihres Volkes. Ihr Mann ist sogar tiefschwarz. Ihn hört man entweder laut singen oder noch lauter schimpfen, beides beherrscht er bis zur absoluten Perfektion. Nur arbeiten, das ist ihm fremd, er unterstützt Paula in keinster Weise. Sie trägt es mit Gleichmut und fügt sich, und wer wollte ihr dafür Vorhaltungen machen, ist das doch für Schwarzdrosseln ein völlig normales Verhalten.

Paula heißt Paula, weil der Name so gut passt. Sie ist bodenständig, im wahrsten Sinne, hält sie sich doch meistens bodennah auf. Und sie ist unglaublich zutraulich, die Fotos entstanden aus einem Abstand von 2 Metern. Sie baut nun schon das dritte Nest in diesem Frühjahr, die ersten beiden wurden von Elstern geplündert. Nun hat sie unsere  überdachte Terrasse mit dichtem Efeu erwählt – sehr schlau, wie ich finde, denn erstens ist es dort trocken und warm, und zweitens werden sich die Elstern nicht so schnell dorthin trauen.