Frühlingsfarben

Die Blütenpracht des Frühlings bewundern wir jedes Jahr auf’s Neue, völlig zu Recht, und übersehen dabei gelegentlich die zarteren und versteckteren farblichen Aspekte, die doch gleichzeitig auftreten, sich aber bescheiden in Hintergrund halten. Wer jedoch die Augen etwas weiter öffnet, sieht die zurückhaltenden Farbtöne, mit denen sich öffnende Knospen sich schmücken. Die kleine Kletterrose ‚Melli‘ habe ich vor 4 Jahren gezogen. Sie hat sich, von unbekannten Eltern stammend, in unserem Garten selber ausgesät. Ich fand sie als 2 cm großen Winzling im Blumenbeet und erkannte gleich, dass es sich um eine Rose, jedoch nicht um eine Wildrose handelte. Die Mühe und die Geduld haben sich gelohnt: sie blüht nicht nur sehr schön, sondern ergrünt und errötet auch, wenn ihre Knospen sich zu Blättern strecken.   Den Namen dieser Rose findet ihr in keinem Katalog. Da ich sie aus einem Samen zog, ist sie ein Unikat und wächst nur in unserem Garten.

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Rosa sempervirens

Der Name lautet übersetzt ‚Immergrüne Rose‘, und das ist sie tatsächlich, zumindest bedingt. Sie entstammt dem mediterranen Klima, die meinige ist aus der Toskana, wo ich sie als kleines Pflänzchen an einem Wegrand ‚fand‘. Sie bildet lange, dünne und biegsame Triebe, die sich mit Hilfe der Dornen in umstehenden Gebüschen und Bäumen festfalten und nach oben durchkämpfen. Im Licht angekommen, bildet sie im Juni eine Vielzahl großer und reinweißer Blüten, welche vor dem dunkelgrünen Laub hell leuchten. Die kleinen, dunkelroten Hagebutten verbleiben den Winter über an den Zweigen, die Samen lassen sich erfolgreich zum Keimen bringen. Aufgrund ihres Herkunftsklimas ist die Immergrüne Rose etwas frostempfindlich, ich lasse sie daher direkt an der schützenden Hauswand ranken. In den 8 Jahren, in denen sie unseren Vorgarten schmückte, hat sie bisher noch nie Kälteschäden erlitten.

Rosa complicata

Ein abschreckender Name  – dabei birgt diese wunderschöne Rose keinerlei Komplikationen, außer, dass sie etwas raumgreifend wächst und im Garten Platz beansprucht, den sie uns aber mit riesigen Blüten dankt. Die Herkunft dieser Rose ist unbekannt, sie ist vermutlich eine Kreuzung der Gallicarose, auch Essigrose genannt, mit einer weiteren Wildrose. Ihre Blüten sind ungefüllt, im Durchmesser bis 12 cm groß, schwach duftend und eine Attraktion für Bienen und Hummeln.

Sie bildet große, harte und rote Hagebutten, welche den Winter über am Strauch verweilen. Der Durchmesser von Rosa complicata beträgt bis zu 2 m, in der Höhe überschreitet sie die 3-Meter-Marke. Sie wächst steif, ist also eine Kletterrose, wenn man sie lässt, und kein Rambler. Einer Wildrose entsprechend, blüht sie nur im Frühsommer, sie ist äußerst frosthart und wenig anfällig für Krankheiten. In unserem Garten gedeiht sie in direkter Konkurrenz mit einem Quitten- und einem Maulbeerbaum, ohne je eine pflegerische Maßnahme gefordert zu haben, von einem kräftigen Schnitt einmal abgesehen.

Rosenzucht (V) – Zwischenbericht

Rosenzucht ist ein langwieriges Geschäft, und nur die eingefleischtesten Kenner meines Blogs wissen, daß ich mich mit diesem Thema befasse und mich schon mehrmals dazu geäußert habe.

Noch sind die Hagebutten grün…

Die Anfang Juni gezielt befruchteten Blüten von Rosa sempervirens, der Immergrünen Rose, haben mittlerweile kräftige Hagebutten mit hoffendlich zahlreichen Samen gebildet, die nun der Ernte im Herbst entgegenreifen. Die Kürzel auf den Aufklebern nennen die Befruchter-Arten: KR steht für Kartoffelrose, ZR steht für Zimtrose.

Ich bin ja sowas von gespannt, ob etwas gescheites dabei heraus kommt!

Rosenzucht (IV) – Zwischenbericht

Was hatter denn nu schon wieder mit seinen Rosen? Nun, Pflanzenzucht ist ein langwieriges Geschäft mit langen Phasen, in denen recht wenig geschieht. Daher, um die gespannten, vor Neugierde zitternden und nach Neuigkeiten lechzenden Leserinnen und Leser meines erfolgreichen Garten(und Gedichte, ja, die Gedichte haben gerade Ferien, mir fällt einfach im Moment nix ein)-Blogs ein wenig zu entspannen, teile ich mit, daß das Rosenzuchtprogramm Immergrüne RoseKartoffelrose um ein Kapitel erweitert wurde. Es lautet Immergrüne RoseZimtrose. Die Zimtrose ist ein gnadenlos unkompliziertes Gewächs, deren Blüten wunderbar duften. Da ihr ja alle das Kapitel Rosenzucht III gelesen habt, wisst ihr im Prinzip, wie man vorgeht, wenn man Rosen kreuzen will. Heute gibt es Bilder dazu, nicht, weil ich euch für Legaßtenicker halte, sondern, weil’s einfach nett aussieht!                                                                                               Jetzt kommt Bild Nr.1. Passt mal auf:          

So sieht eine Rosenblüte aus, wenn man all ihre Kelchblätter, Kronblätter und Staubgefäße mit einer Nagelschere entfernt hat. Eine knifflige Angelegenheit ist das, das könnt ihr mir glauben, vor allem, wenn man zu faul ist, die Lesebrille zu suchen.               Und jetzt kommt Bild Nr.2, das ist wirklich aufschlußreich, passt jetzt mal wirklich gut auf: (Die Zeit beim Schreiben und vor allem die Zeit, die das endlose Laden der Bilder benötigt, untermale ich mit dem Hören von Radiohead, supergute Mucke, und gleich höre ich Coldplay, darauf fahre ich momentan ganz besonders heftig ab.)                             So, aber jetzt das Bild:  

Na, was sehen wir da? Eine geöffnete weiße Blüte, das ist eine Immergrüne Rose. Und die Knospe rechts oberhalb ist ihre kleine Schwester, die habt ihr weiter oben schon von allen Hüllen befreit gesehen. Dann seht ihr da noch 2 Tüten, beschriftet, damit alles seine Ordnung hat und der Maddin im Herbst noch weiss, was er in welcher Hagebutte für Saatgut herangezogen hat. Sobald ich mit der Narbe dieser Knospe tüchtig in den 2 Blüten der Zimtrose herumgewuselt habe, wird sie hübsch in Zellophan verpackt, um jegliche Fremdbestäubung auszuschließen. Und wenn die Hagebutten zu schwellen beginnen und sich die Samen bilden, gibt’s den nächsten Zwischenbericht. Mit Foto! Von den Hagebutten, nicht vom Rosenzüchter, das liefere ich euch jetzt schon… 🙂

Rosenzüchter beim morgentlichen Öffnen der Jalousien

Rosenzucht(III)

Die Zeit der Rosenblüte ist gekommen, und schon juckt es mir in den Fingern, endlich einmal ganz zielstrebig eine eigene Rose zu züchten, deren Eltern mir beide bekannt sind. Bisher habe ich lediglich Stecklinge vermehrt, welche ja logischerweise identisch mit der Mutterpflanze sind, oder – schon ein Fortschritt – Samen zum Keimen gebracht, deren Mutterpflanze mir bekannt war, jedoch die pollenspendende Vaterpflanze unbekannt blieb.

Mutterpflanze: Rose ‚Dortmund‘ , Vaterpflanze unbekannt, also eine Halbwaise

Gelegentlich ziehe ich auch Rosen groß, deren Eltern mir komplett unbekannt sind, wie z. B. die von mir so benannte Rose ‚Melli‘, die ich als Sämling in einem Blumentopf fand.

  Die Rose ‚Melli‘, eine Vollwaise

Ab nun werde ich professioneller vorgehen, denn ich werde Pollen einer mir bekannten Art auf die Narbe einer anderen mir bekannten Art auftragen und zugleich eine Fremdbestäubung ausschließen!

Als Mutterpflanze erwähle ich die Immergrüne Rose(Rosa sempervirens). Warum? Sie beginnt gerade zu blühen und ist zugleich vom im ersten Stockwerk gelegenen Badezimmerfenster aus sehr leicht zu erreichen, da sie eine Ramblerrose ist, also klettert. Sie hat recht große weiße ungefüllte Blüten und ist z. T. wintergrün. An der Hauswand ist sie ausreichend winterhart.

Die Immergrüne Rose(Rosa sempervirens)

Als Bestäuber habe ich die allseits aus den Dünen der Nordseeinseln bekannte Kartoffelrose (Rosa rugosa) erwählt, da sie direkt in der Nachbarschaft zu finden ist, sehr reichlich Pollen spendet und sich zudem in allen Merkmalen deutlich von der Mutterpflanze unterscheidet. Sollte ich also Hagebutten mit Samen gewinnen und letztere auch zum Keimen bringen können, dürfte ich sehr auf das Ergebnis gespannt sein! Hier eine Gegenüberstellung der wichtigsten Merkmale der Elternpflanzen:

                              Immergrüne Rose                               Kartoffelrose

Blütenfarbe              weiß                                                        dunkelrosa

Bedornung                mäßig                                                     stark

Duft                            schwach                                                 stark

Wuchs                        kletternd                                                strauchförmig,

Das weitere Vorgehen ist keine hohe Kunst, die größte Herausforderung ist vielmehr die Geduld, die man aufbringen muss, bis man das Ergebnis sieht.                                           Alles, was ich an Werkzeug benötige, ist eine Nagelschere und ein kleines ettiketiertes Kunststofftütchen. Zunächst entferne ich vorsichtig die Blütenblätter einer Knospe der Immergrünen Rose, die kurz vor der Öffnung steht. Dabei darf die in der Mitte stehende Narbe auf keinen Fall verletzt werden! Im nächsten Schritt entferne ich mit der Nagelschere – Pinzette geht auch – die zahlreichen Antheren, auch Staubgefäße genannt. Unterlässt man diese Maßnahme, kann es zur Selbstbestäubung kommen, was ich ja nicht möchte. Mein Ziel ist die Fremdbestäubung! Schließlich übertrage ich die Pollen einer Kartoffelrose auf die nun nackt und bloß stehende Narbe der Immergrünen Rose. Man kann dafür ein Pinselchen nehmen, ich reibe einfach die Blüten vorsichtig aneinander, das sollte genügen. Die hoffentlich befruchtete Blüte umhülle ich abschließend mit dem beschrifteten Plastiktütchen, auf dem die Vaterpflanze vermerkt ist, um sie vor späterer Fremdbestäubung zu schützen und gleichzeitig zu markieren, damit ich die sich bildenden Früchte im Herbst von anderen Hagebutten unterscheiden kann. Die sich bildenden Samen ernte ich im Dezember, säe sie in leichten Boden in einem Blumentopf und ettiketiere sie dauerhaft. Und dann schau’n wir mal…. 🙂 Bitte beide Daumen drücken!

 

 

 

 

Rosenzeit…

…hat begonnen. Eine meiner derzeitigen Favoritinnen ist ‚Single Red‘, eine Schönheit mit wildem Charakter und bezauberndem Duft. Als Bibernellrose sollte sie eigentlich weiß sein, vielleicht auch rosa, doch sie schert sich nicht um unsere Erwartungen und kommt stattdessen leuchtend-dunkelrot daher. Sie ist fein bedornt und ein wahres Frühchen, das Foto stammt vom 16. Mai 2017. Ist sie nicht schön?