Rosenzucht – auf ein neues!

Der März ist gekommen, der Frühling scharrt schon mit den Hufen, und die Samen, die den Winter in der Erde verschlafen haben, erwachen und recken sich der Sonne und der Wärme entgegen. Meine Aufmerksamkeit gilt momentan insbesondere den Rosensamen, die ich im vergangenen Herbst erntete und, wohl beschriftet, unter Sträuchern verborgen der Witterung überliess. Vor 2 Wochen bekamen sie einen warmen Platz auf der Fensterbank, was sie mir mit prompter Keimung dankten.

2 Zuchtlinien, sorgsam getrennt und gekennzeichnet

Die Ausbeute war überwältigend, fast alle Keimlinge gediehen und gedeihen noch, nachdem ich sie vereinzelt habe, bevor ihre Wurzeln einen untrennbaren Filz flechten und sie sich gegenseitig ersticken.

Rosensämlinge sind leicht zu erkennen-

Natürlich habe ich nicht beliebige Rosensamen gesät, sondern gezielt gezüchtet, also die Pollen einer Rosenart auf die Blütennarbe einer anderen Rosenart aufgetragen. Als Mutterpflanze wählte ich die Immergrüne Rose, Rosa sempervirens, da ihre Samen sehr keimfreudig sind und außerdem die Blüten so herrlich einfach vom Badezimmerfenster aus zu erreichen sind.

Rosa sempervirens – die Immergrüne Rose
Sie stammt aus mediterranen Gefilden, in diesem Fall aus der Toscana, wo sie häufig an Wald- und Wegrändern zu finden ist.

Als Pollenlieferant und somit Vaterpflanze wählte ich zum einen ‚Rosa Melli‘, bei der es sich um einen kletternden Findling aus unserem Garten handelt. Ihr werdet sie bei Google nicht finden, da der Name nur in unserer Familie bekannt und gebräuchlich ist. Sie ist ja keine anerkannte und gemeldete Sorte, sondern wächst ausschließlich in unserem Garten.

Rosa ‚Melli‘ – ein Findelkind

Zum anderen Pollenlieferanten erkor ich den Rambler ‚Rosa Wüstling‘. Sie stellt sicherlich eine anerkannte Sorte dar, schließlich zog ich sie aus einem geklauten Ableger, ich kenne aber ihren korrekten Namen nicht. Was blieb mir also übrig als mir einen Namen auszudenken – Wüstling deshalb, weil sie fürchterlich wuchert und zudem fiese Dornen hat. Sie könnte ohne weiteres den Stacheldraht überflüssig machen.

Rosa ‚Wüstling‘

Selbstverständlich habe ich bei der Übertragung der Pollen größten Wert darauf gelegt, eine Fremdbestäubung durch Bienen oder den Wind auszuschließen. Die Blütenblätter und Staubgefäße der Knospen der Mutterpflanze habe ich mit einer Nagelschere entfernt, die befruchteten Blüten anschließend mit beschrifteten Kunststofftütchen umhüllt.

Und nun heißt es geduldig sein und warten…welche Eigenschaften der Elternpflanzen werden sich durchsetzen? Die Blütenfarbe, das Wuchsverhalten, die Resistenz gegen Krankheiten…mein größtes Problem ist nicht meine Geduld, sondern mein Mangel an Platz, für so viele Rosen. 🙂

Werbeanzeigen

Rosenzucht(VII)

Voller Stolz möchte ich euch heute meine ‚Babies‘ präsentieren. Noch sind sie klein und zart, blühen werden sie frühestens im folgenden Jahr. Meine eingefleischtesten Folger werden sich an meine Rosenzuchtberichte III, IV, V und VI erinnern, die Interessierten unter euch können dort haarklein nachlesen, wie ich mein Zuchtprogramm durchgeführt habe.

Bild oben und unten: eine Kreuzung aus der Immergrünen Rose(Rosa sempervirens) und der Kartoffelrose(Rosa rugosa), welche die Pollen lieferte. Die gewellten Blätter und die feine massive Bestachelung stammen von letzterer. In dem Schneckenhaus steckt das Etikett.

Bild oben und unten: mutmaßlich eine Kreuzung zwischen Immergrüner Rose(Rosa sempervirens) und der Mai- oder Zimtrose(Rosa majalis). Den entgültigen Beweis dürfte die erste Blüte liefern. Hach, bin ich gespannt!

Frühlingsfarben

Die Blütenpracht des Frühlings bewundern wir jedes Jahr auf’s Neue, völlig zu Recht, und übersehen dabei gelegentlich die zarteren und versteckteren farblichen Aspekte, die doch gleichzeitig auftreten, sich aber bescheiden in Hintergrund halten. Wer jedoch die Augen etwas weiter öffnet, sieht die zurückhaltenden Farbtöne, mit denen sich öffnende Knospen sich schmücken. Die kleine Kletterrose ‚Melli‘ habe ich vor 4 Jahren gezogen. Sie hat sich, von unbekannten Eltern stammend, in unserem Garten selber ausgesät. Ich fand sie als 2 cm großen Winzling im Blumenbeet und erkannte gleich, dass es sich um eine Rose, jedoch nicht um eine Wildrose handelte. Die Mühe und die Geduld haben sich gelohnt: sie blüht nicht nur sehr schön, sondern ergrünt und errötet auch, wenn ihre Knospen sich zu Blättern strecken.   Den Namen dieser Rose findet ihr in keinem Katalog. Da ich sie aus einem Samen zog, ist sie ein Unikat und wächst nur in unserem Garten.

Rosa sempervirens

Der Name lautet übersetzt ‚Immergrüne Rose‘, und das ist sie tatsächlich, zumindest bedingt. Sie entstammt dem mediterranen Klima, die meinige ist aus der Toskana, wo ich sie als kleines Pflänzchen an einem Wegrand ‚fand‘. Sie bildet lange, dünne und biegsame Triebe, die sich mit Hilfe der Dornen in umstehenden Gebüschen und Bäumen festfalten und nach oben durchkämpfen. Im Licht angekommen, bildet sie im Juni eine Vielzahl großer und reinweißer Blüten, welche vor dem dunkelgrünen Laub hell leuchten. Die kleinen, dunkelroten Hagebutten verbleiben den Winter über an den Zweigen, die Samen lassen sich erfolgreich zum Keimen bringen. Aufgrund ihres Herkunftsklimas ist die Immergrüne Rose etwas frostempfindlich, ich lasse sie daher direkt an der schützenden Hauswand ranken. In den 8 Jahren, in denen sie unseren Vorgarten schmückte, hat sie bisher noch nie Kälteschäden erlitten.

Rosa complicata

Ein abschreckender Name  – dabei birgt diese wunderschöne Rose keinerlei Komplikationen, außer, dass sie etwas raumgreifend wächst und im Garten Platz beansprucht, den sie uns aber mit riesigen Blüten dankt. Die Herkunft dieser Rose ist unbekannt, sie ist vermutlich eine Kreuzung der Gallicarose, auch Essigrose genannt, mit einer weiteren Wildrose. Ihre Blüten sind ungefüllt, im Durchmesser bis 12 cm groß, schwach duftend und eine Attraktion für Bienen und Hummeln.

Sie bildet große, harte und rote Hagebutten, welche den Winter über am Strauch verweilen. Der Durchmesser von Rosa complicata beträgt bis zu 2 m, in der Höhe überschreitet sie die 3-Meter-Marke. Sie wächst steif, ist also eine Kletterrose, wenn man sie lässt, und kein Rambler. Einer Wildrose entsprechend, blüht sie nur im Frühsommer, sie ist äußerst frosthart und wenig anfällig für Krankheiten. In unserem Garten gedeiht sie in direkter Konkurrenz mit einem Quitten- und einem Maulbeerbaum, ohne je eine pflegerische Maßnahme gefordert zu haben, von einem kräftigen Schnitt einmal abgesehen.

Rosenzucht (V) – Zwischenbericht

Rosenzucht ist ein langwieriges Geschäft, und nur die eingefleischtesten Kenner meines Blogs wissen, daß ich mich mit diesem Thema befasse und mich schon mehrmals dazu geäußert habe.

Noch sind die Hagebutten grün…

Die Anfang Juni gezielt befruchteten Blüten von Rosa sempervirens, der Immergrünen Rose, haben mittlerweile kräftige Hagebutten mit hoffendlich zahlreichen Samen gebildet, die nun der Ernte im Herbst entgegenreifen. Die Kürzel auf den Aufklebern nennen die Befruchter-Arten: KR steht für Kartoffelrose, ZR steht für Zimtrose.

Ich bin ja sowas von gespannt, ob etwas gescheites dabei heraus kommt!

Rosenzucht (IV) – Zwischenbericht

Was hatter denn nu schon wieder mit seinen Rosen? Nun, Pflanzenzucht ist ein langwieriges Geschäft mit langen Phasen, in denen recht wenig geschieht. Daher, um die gespannten, vor Neugierde zitternden und nach Neuigkeiten lechzenden Leserinnen und Leser meines erfolgreichen Garten(und Gedichte, ja, die Gedichte haben gerade Ferien, mir fällt einfach im Moment nix ein)-Blogs ein wenig zu entspannen, teile ich mit, daß das Rosenzuchtprogramm Immergrüne RoseKartoffelrose um ein Kapitel erweitert wurde. Es lautet Immergrüne RoseZimtrose. Die Zimtrose ist ein gnadenlos unkompliziertes Gewächs, deren Blüten wunderbar duften. Da ihr ja alle das Kapitel Rosenzucht III gelesen habt, wisst ihr im Prinzip, wie man vorgeht, wenn man Rosen kreuzen will. Heute gibt es Bilder dazu, nicht, weil ich euch für Legaßtenicker halte, sondern, weil’s einfach nett aussieht!                                                                                               Jetzt kommt Bild Nr.1. Passt mal auf:          

So sieht eine Rosenblüte aus, wenn man all ihre Kelchblätter, Kronblätter und Staubgefäße mit einer Nagelschere entfernt hat. Eine knifflige Angelegenheit ist das, das könnt ihr mir glauben, vor allem, wenn man zu faul ist, die Lesebrille zu suchen.               Und jetzt kommt Bild Nr.2, das ist wirklich aufschlußreich, passt jetzt mal wirklich gut auf: (Die Zeit beim Schreiben und vor allem die Zeit, die das endlose Laden der Bilder benötigt, untermale ich mit dem Hören von Radiohead, supergute Mucke, und gleich höre ich Coldplay, darauf fahre ich momentan ganz besonders heftig ab.)                             So, aber jetzt das Bild:  

Na, was sehen wir da? Eine geöffnete weiße Blüte, das ist eine Immergrüne Rose. Und die Knospe rechts oberhalb ist ihre kleine Schwester, die habt ihr weiter oben schon von allen Hüllen befreit gesehen. Dann seht ihr da noch 2 Tüten, beschriftet, damit alles seine Ordnung hat und der Maddin im Herbst noch weiss, was er in welcher Hagebutte für Saatgut herangezogen hat. Sobald ich mit der Narbe dieser Knospe tüchtig in den 2 Blüten der Zimtrose herumgewuselt habe, wird sie hübsch in Zellophan verpackt, um jegliche Fremdbestäubung auszuschließen. Und wenn die Hagebutten zu schwellen beginnen und sich die Samen bilden, gibt’s den nächsten Zwischenbericht. Mit Foto! Von den Hagebutten, nicht vom Rosenzüchter, das liefere ich euch jetzt schon… 🙂

Rosenzüchter beim morgentlichen Öffnen der Jalousien