Paula und Paul

Unsere beiden Schwarzdrosseln haben erfolgreich zwei(Oder mehr? Wir wissen es nicht, das Nest war so gut im Efeu versteckt, dass wir es nicht einsehen konnten.) Junge groß gezogen. Die Halbwüchsigen verstecken sich erfolgreich in den Dickichten in unserem Garten, so dass sie vor den umherstreifenden Elstern relativ sicher sind. Beim leisesten Krächzen sind Paula und Paul sofort alarmiert und beziehen Position in einem der Nachbarkirschbäume. Paul hat übrigens, entgegen meiner Mutmaßung in ‚Paula‘ vom 10. April, fleißig Schnecken und Würmer gesammelt und die Nestlinge gefüttert, sich zwischendurch aber auch immer wieder eine Auszeit gegönnt und sie mit melodiösem Gesang auf dem Hausdach verbracht.

Die Nähe des Nests zu unserer Terasse und unsere Allgegenwärtigkeit in dem kleinen Reihenhausgarten hat nun zu einem interessanten Verhalten der Drosseln geführt: sie sind fast zahm. Man hat den subjektiven Eindruck, sie würden uns erkennen, und sie haben sehr schnell gelernt, dass von uns keine Gefahr ausgeht und dass die Brotkrümel, die wir nach dem Frühstück auf den Rasen werfen, eine leckere Erweiterung des üblichen Speiseplans darstellen. Mittlerweile kommen sie angeflogen, wenn man den Garten betritt, und wenn man sich still verhält oder gemächlich geht, nähern sie sich bis auf wenige Schritte. Die Fotos entstanden aus einer Entfernung von 1,5 Metern!

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Paula

Paula ist fleißig, sehr fleißig sogar. Unermüdlich arbeitet sie seit Tagen an der Verschönerung ihres Heimes. Es soll ihr und ihren Kindern Schutz und Geborgenheit schenken. Paula gönnt sich keine Pause, rastlos werkelt sie hier, stopft dort, begutachtet zwischendurch immer wieder kritisch ihr Werk. Manchmal schaut sie mich fragend an. Ich verstehe ihre Sprache nicht und sie mutmaßlich nicht die meinige, aber ich rede ihr gut zu, bestätige sie in ihrem Schaffensdrang. Sie lauscht meinen Worten, scheint zu verstehen, stürzt sich wieder auf ihre Arbeit. Paula ist dunkel, fast schwarz, so wie alle ihres Volkes. Ihr Mann ist sogar tiefschwarz. Ihn hört man entweder laut singen oder noch lauter schimpfen, beides beherrscht er bis zur absoluten Perfektion. Nur arbeiten, das ist ihm fremd, er unterstützt Paula in keinster Weise. Sie trägt es mit Gleichmut und fügt sich, und wer wollte ihr dafür Vorhaltungen machen, ist das doch für Schwarzdrosseln ein völlig normales Verhalten.

Paula heißt Paula, weil der Name so gut passt. Sie ist bodenständig, im wahrsten Sinne, hält sie sich doch meistens bodennah auf. Und sie ist unglaublich zutraulich, die Fotos entstanden aus einem Abstand von 2 Metern. Sie baut nun schon das dritte Nest in diesem Frühjahr, die ersten beiden wurden von Elstern geplündert. Nun hat sie unsere  überdachte Terrasse mit dichtem Efeu erwählt – sehr schlau, wie ich finde, denn erstens ist es dort trocken und warm, und zweitens werden sich die Elstern nicht so schnell dorthin trauen.