Fühle dich eingeladen…

…den Garten zu betreten, der mir so an’s Herz gewachsen ist mit seinen Räumen und Nischen, seinen Pflanzen und Tieren und seinen Geschichten.

Mein Garten – genau genommen gehört er natürlich meiner Frau und mir, aber sie lässt mir  freie Hand bei der Gestaltung, was ich ihr sehr hoch anrechne – befindet sich, eingezwängt zwischen 6 anderen Gärten, hinter einer Reihe aneinander gebauter Häuser. Richtig erkannt: es ist ein Reihenhausgarten.

Oh nein, mag der Mensch denken, der das Thema Gartengestaltung aufgrund chronischen Lesens der ‚Landlust’ und anderer erbaulicher Magazine mit Flächen verbindet, die über 10 Hektar groß sind und möglichst ein Schloß an der Loire, einen Adelssitz in Sussex oder zumindest einen Gräftenhof im Münsterland einrahmen und schmücken. Oh doch, antworte ich, auch der Reihenhausgarten, der Vorgarten und selbst der Balkonkasten wollen gestaltet sein.                                                                  

Zurück zu unserem Garten. Er ist klein, das ist nicht zu leugnen, ein Handtuch, wie man hier sagt. Wer wie ich in einem großen Garten auf dem Lande aufgewachsen ist, in dem vielerlei Gemüse für den eigenen Bedarf gezogen wurde, in dem Beerensträucher, Apfelbäume, Blumenbeete, ein großer Rasen und ein noch größerer Hühner- und Karnickelstall ihren Platz fanden, dem fällt es schwer, das Wort ‚Garten’ in den Mund zu nehmen, wenn er unsere Parzelle vor Augen hat. In diesem Buch geht es um 93 Quadratmeter lehmigen Bodens am Stadtrand von Bielefeld.      

                                             2013-10-09 10.00.22                                                     Gartenansicht                                                   

Das Grundstück nebst Haus befindet sich seit 1996 in unserem Besitz. Die Blumenbeete, der Rasen, die Zäune und überhaupt alles waren sehr gepflegt. Alle Linien waren streng parallel zu den Grundstücksgrenzen ausgerichtet, was das gesamte Ensemble noch schmaler erscheinen ließ, als es eigentlich schon war. Die vorherigen Besitzer hatten es mit unermüdlichem Eifer geschafft, selbst den Giersch auszurotten. Als die anderen Unkräuter das sahen, flohen sie vermutlich Hals über Kopf. Oder sagt man bei Pflanzen Stengel über Blüte? Egal – anders lässt sich jesenfalls nicht erklären, wie picobello sauber der Garten am Tag der Übergabe war.

Sein ökologische Wert ging vermutlich gegen Null, vielleicht bewegte er sich sogar im negativen Bereich. Futterpflanzen für Insekten, einheimische Sträucher, Nistmöglichkeiten für Tiere aller Art: Fehlanzeige. Einige Frühblüher, ansonsten Forsythien, Flieder, Edelrosen, Rhododendren und Astern, eine kleine Fichte sowie eine zur Kugel geschnittene kleine Eiche – das war’s! Dazu Rasen mit Kiesbetonplatten – quadratisch,  praktisch, aber nicht wirklich gut. So konnte es nicht bleiben!  

 MEDION Digital Camera                                         Auch Schmetterlinge lieben naturnahe Gärten        

Ich machte mich also an die Arbeit. Dabei folgte ich keinem fertigen Plan, vieles schuf ich vielmehr aus dem Bauch heraus, manches verwarf ich wieder, einiges scheiterte. Ich entfernte die Kiesbetonplatten und ersetzte sie nach und nach durch Natursteine, unterließ aber aus Geiz und Bequemlichkeit, diese in ein wasserdurchlässiges Material zu betten, was aufgrund des lehmigen Bodens zu regelmäßiger Verschlammung des Weges führte – ein Fehler, den ich nach einigen Jahren mit Schweiß und Schotter behob.

Ich pflanzte Sträucher, kleine Dickichte entstanden im Laufe der Zeit, die vielen Tieren Unterschlupf und Nahrung bieten. Bäume zog ich aus Samen – ja, Geduld ist wichtig. Man kann sie erlernen, indem man einen Pflaumenkern in die Erde pflanzt – es dauert Jahre, bis man die erste Frucht ernten darf.

Etliche Pflanzen, die ich erwarb, haben’s nicht geschafft. Sie fielen den Schnecken zum Opfer, hatten zu wenig Sonne, standen zu feucht, wurden überwuchert und und und… Mittlerweile kenne ich mich aus, nur noch selten zieht sich eine Art aus unserem Garten zurück.

Die Schaffung einer optimalen räumlichen Aufteilung und höchstmöglicher Artenvielfalt bei gleichzeitiger Nutzung als familiärer Lebens- und Erholungsraum wurden im Laufe der Jahre meine Triebfedern, die Gestaltung unserer kleinen Oase betreffend. Ökologische Vielfalt liegt mir sehr am Herzen, sowohl im allgemeinen als auch speziell im Garten. Mit wenig Aufwand und viel Fantasie lässt sich auch in kleinen Gärten ein überaus lebendiges und artenreiches Biotop kreieren.

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3 Gedanken zu “Fühle dich eingeladen…

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